Bunte Häuser und Boote am kleinen Hafen von Peggys Cove, Kanada

Auftakt im Nebel

Unsere Abenteuerreise beginnt im wilden Osten Kanadas. Trotz massiver Flugstreiks in Deutschland – der Frankfurter Flughafen sieht wie ausgestorben aus – erbarmt sich eine Mannschaft, uns mit einem der wenigen Maschinen pünktlich nach Halifax zu bringen. Die Stadt empfängt uns mit dichtem Nebel und frostigen Temperaturen – echtes „Schietwetter“, das uns direkt in die nächste Mall für warme Pudelmützen treibt.

Während wir darauf warten, unser Offroadmobil „Balu“ im Hafen abzuholen, erkunden wir die Highlights von Nova Scotia. Auch wenn Halifax uns erst auf den zweiten Blick überzeugt, ist die Küstenlandschaft in Kanadas Osten spektakulär.

Eine unserer Top-Entdeckungen rund um Halifax ist Peggy’s Cove mit seinem malerischen, kleinen Hafen und dem ikonischen Leuchtturm vor rauer Kulisse. Hier schmeckt uns sogar die Portion Fish & Chips am Ende sogar besser als in England. In Lunenburg bewundern wir die bunten Holzhäuser und den maritimem Charme. Das Örtchen hat sich damit sogar den Status eines UNESCO-Weltkulturerbes erarbeitet.

An der Westseite von Nova Scotia, in Wolfsville, sind wir überrascht, dass hier sogar kanadischer Wein angebaut wird. Wir stellen fest, dass er für diese kühlen Gefilde überraschend gut schmeckt! Und wir genießen ihn sogar draußen in der Sonne, die zum Glück heute mal wieder scheint! Der Besuch des markanten roten Ockerfelsens Burntcoat Head rundet unsere Tour auf der Halbinsel ab.

Trotz der Kälte ziehen uns die Weite und die urigen Fischerdörfer sofort in ihren Bann. Der perfekte Auftakt für unser Kanada-Abenteuer!

Freiheit auf Rädern und Blumentöpfe im Watt

Wir stochern noch etwas im Nebel am Lobsterfischereihafen und dem Nordstrand von Halifax herum, dann ist es endlich soweit: wir können Balu aus dem Hafen holen. Drei Stationen mit Papierkram später, die erstaunlich glatt laufen, haben wir ihn unversehrt wieder! Wir brauchen noch eine Weile, bis wir Gas, Wasser und den Kühlschrank aufgefüllt haben. Aber dann geht’s endlich los gen Westen. Unsere erste Übernachtung in freier Natur genießen wir in absoluter Stille an einem See.

Das nächste Highlight sind die Hopewell Rocks in New Brunswick. Offiziell ist hier noch alles saisonbedingt zu, aber wir kommen trotzdem auf das Gelände und haben die ganze besondere Szenerie für uns alleine. Die Felsnadeln ragen wie riesige Blumentöpfe aus dem rötlich-braunen Watt, jeweils gekrönt von einzelnen Tannen, die sich auf den Spitzen festkrallen.

Ein erster Kontakt zu den First Nations

Unterwegs entdecken wir die Arbeiten des Künstlers Alan Syliboy vom Stamm der Mi’kmaq. Seine farbenfrohen Gemälde zeigen Motive von Walen und Schildkröten, die in den nahen Küstengewässern zuhause sind sowie Motive, die auf die alten Petroglyphen Bezug nehmen. Mich erinnern die Werke stark an die Dotpaintings der Aboriginal People in Australien. Alan erklärt uns, dass die vielen Punkte u.a. die Ahnen darstellen, zu denen die indigene Bevölkerung einen viel intensiveren Bezug hat, als es in unserer Kultur üblich ist. Seine Kunst hat er sogar bereits in München ausgestellt. Erstaunlich, er verschifft seine Gemälde über den großen Teich und wir unseren Camper! Mit seiner Erlaubnis darf ich ein paar seiner Werke hier zeigen.

Wir erfahren außerdem über ein tägliches Ritual, dass morgens durchgeführt wird, um sich energetisch von den dunklen Mächten der Nacht zu reinigen. Sie räuchern ein Bündel Süßgras, das unserem Dünengras sehr ähnlich ist, ergänzen dazu reinigend wirkenden Salbei oder Tabak und verteilen den Rauch mit einer Adlerfeder. Als Räucherschale dienen wunderschön schillernde Schalen der Abalonemuscheln.

Insgesamt sei die Akzeptanz der First Nations in den letzten Jahren deutlich angestiegen, sie werden mittlerweile besser in die Gesellschaft integriert. Sicher gibt es noch überall Optimierungspotenzial, aber es scheint einen Aufwärtstrend zu geben.

Eine Idee von der Weite

Als wir weiter durch New Brunswick fahren, zeigt sich der TransCanadaHighway relativ leer. Er zieht sich wie ein endloses, im Moment noch recht winterlich anmutendes Band einmal quer durch Kanada. Hier und da gespickt mit Schildern, die vor suizidgefährdeten Elchen warnen. Bei unseren Fahrten über Land dagegen finden sich immer wieder charmante Holzhäuser, auch wenn das ein oder andere auch mal einen Topf Farbe verdient hätte.

Zwischendurch hatte es sich schonmal richtig frühlingshaft angefühlt. Daher hatten wir schon darauf spekuliert, dass es mit dem milden Wetter nun so weiter gehen würde. Wir waren in Deutschland ja schon von wärmeren Temperaturen verwöhnt worden. Und auf einmal sitzen wir wieder mitten im Winter. Die Seen sind noch dick gefroren, eine weiße Schneedecke liegt noch auf der Landschaft und dann fängt es sogar noch an zu schneien. Ja, ist denn schon wieder Weihnachten?

Am breiten Sankt-Lorenz-Strom lugt dann aber doch noch wieder die Sonne hervor, so dass wir uns auf einen Spaziergang an den wunderschönen Holzhäusern vorbei entlang des Flussufers wagen.

Im französischen Québec

Über eine riesige alte Eisenbrücke fahren wir in das bunte Québec hinein. In der Marina sprechen wir einen Bootsbesitzer an, ob wir uns vor dessen Segelboot stellen dürfen, dass noch an Land liegt. Wir kommen mal wieder ins Gespräch. Balu ist immer ein genialer Türöffner, da die Leute uns neugierig ausfragen, was es damit auf sich hat. So ein Format gibt es hier sonst nicht, schon gar nicht mit deutschem Kennzeichen. Ich bin immer wieder begeistert von der Freundlichkeit und dem Interesse der Menschen, denen ich auf meinen Reisen begegne. So viele herzliche Begegnungen, die sich durch das Unterwegssein ergeben. Das allein lohnt bereits das Reisen.

Québec selbst überzeugt durch eine für diesen Kontinent vergleichsweise alte Stadt. Angeblich soll sie sehr französisch aussehen. Das kann ich als Frankreich-Fan nicht gerade bestätigen. Ich fühle mich an jeder Ecke eher an das schottische Edinburgh erinnert – es fehlt nur noch der entsprechende Harry-Potter-Laden. Von oben betrachtet wirken die Häuser eher wie die einer Modelleisenbahn-Landschaft. Das absolute Highlight ist das majestätische Château Frontenac, das schon einige illustre Gäste beherbergt hat. Davor ist eine weitläufige Holzterrasse angelegt, auf der es sich herrlich flanieren lässt.

Nationalpark La Mauricie

Wir legen im Nationalpark La Mauricie noch einen Zwischenstopp für eine Wanderung und Mountainbike-Tour ein. Die absolute Windstille beschert uns heute besonders schöne, spiegelglatte Reflektionen in den weiten Seen. Einige Parkstraßen sind wegen des Schnees für Autos noch gesperrt, aber wir fahren trotzdem einfach mit den Rädern durch und entdecken auch hier noch teils gefrorene Gewässer, die aufgrund der Menschenleere eine ganz besondere Ausstrahlung haben.

In dieser wunderbaren, friedlichen Umgebung gebe ich nun auch meine allererste Session auf dieser Reise. Die Erde, die Bäume und die warme Sonne wollen unterstützen. Es ist ein unheimlich schönes Gefühl, rundum von der wilden Natur umgeben zu sein und diese kraftvolle Sitzung zu geben.

Über den Dächern von Montréal

Durch einiges an Verkehrsgewühl arbeiten wir uns voran in die Innenstadt Montréals. Genau genommen über die Innenstadt, denn vom gleichnamigen Berg aus haben wir einen fantastischen Ausblick über die Skyline der Metropole bei Sonnenuntergang. Wir entscheiden uns, gar nicht weiter hinunter ins dichte Zentrum zu fahren, da wir schon von Einheimischen gehört haben, dass es dort so viel gar nicht zu sehen gäbe. Klassisches Sightseeing in der Stadt verschieben wir also lieber auf Toronto.

Thousand Islands National Park

Wir finden ein ruhiges Plätzchen am Rande Montréals und machen uns am nächsten Tag auf zum Thousand Islands National Park. Hier siedeln die Menschen mit Vorliebe auf Mini-Inseln, die gerade einmal so groß sind, dass ein einzelnes Haus plus Bootshaus darauf passt. Sie wohnen so dicht an der Wasserkante, dass es so aussieht, als würden die Inselchen in einem Überflutungsgebiet liegen und dass sie es gerade noch geschafft hätten, nicht weggeschwemmt zu werden. Das Wetter unterstützt diesen Eindruck mit grauer Matschepatsche jedenfalls perfekt.

Dafür bekommen wir umso mehr menschliche Wärme entgegengebracht, als wir bei einer älteren Dame ganz in Rosa fragen, ob wir auf ihrem großflächigen Grundstück am See über Nacht stehen dürfen. Sie freut sich einen Keks, dass wir mit unserem eigenem Camper den weiten Weg aus Deutschland angetreten sind. Da sie früher auch viel unterwegs gewesen war, umarmt sie uns herzlich. „Welcome to Canada!“ ruft sie und strahlt uns mit einem zahnlückenbehafteten Lächeln an.

Städtetrip nach Toronto

Toronto ist die größte Stadt Kanadas und wir hatten schon befürchtet, dass wir uns durch lange Staus quälen müssten, bis wir in die Innenstadt gelangen. Aber wir kommen ziemlich gut durch und finden einen für die gewaltigen Ausmaße der Stadt recht zentrales Plätzchen zum Übernachten auf einem Parkplatz. Auch hier begegenen wir wieder einem sehr freundlichen Typen, der ursprünglich aus Deutschland stammt, aber bereits im Alter von 5 Jahren mit seiner Familie nach Kanada übergesiedelt ist. Wie so viele. Axel heißt er und spricht sogar noch ein paar Brocken Deutsch.

Von einer vorgelagerten Halbinsel aus haben wir einen fantastischen Blick auf die Skyline von Toronto, die in der Abenddämmerung langsam ihre Lichter anknipst. Nur die lästigen Fliegen, die hier in Scharen aus den Büschen gekrochen kommen, scheuchen uns schließlich wieder zurück zu Balu. Und die Kälte noch dazu. Es darf definitiv bald mal molliger werden!!!

Am nächsten Tag touren wir mit den Mountainbikes in die Stadt. Sieht aus der Ferne nahgelegen aus, aber wir brauchen allein schon eine halbe Stunde, um im Zentrum anzukommen. Wir finden uns wieder in einem Mikado aus Wolkenkratzern, die wie gläserne, zumeist blau verspiegelte Stäbe in den Himmel pieksen. Da wir so einen Anblick nicht gewohnt sind, sind wir immer wieder fasziniert von der Szenerie, die uns in den unterschiedlichen Straßenzügen bietet – auch wenn diese Gebäude im Grunde kalt und unpersönlich rüberkommen. Gleichzeitg wirken sie wie gläserne Bienenwaben, wo tagsüber und vielleicht auch so manche Nacht emsig gearbeitet wird. Und letzten Endes ist es ja auch genau so.

Über die Zeit wird es ganz schön kalt und wir wärmen uns beim Inder wieder auf. Dadurch, dass diese Landsleute hier im Osten Kanadas in unerwarteter Vielzahl wohnen, gibt es auch wirklich sehr authentisches Essen, dass uns auch von innen her wieder auftaut.

Insgesamt ist Toronto eine sehr moderne Stadt, die dunaufhaltsam weiter wächst – überall im Zentrum sieht man Baustellen, auf denen neue Wolkenkratzer hochgezogen werden. Es sind aber nicht nur die Temperaturen kühl, sondern die Atmosphäre kommt durch die vielen anonymen Skyskraper ähnlich daher.

Oldtown Toronto

In der Altstadt von Toronto findet sich ein buntes Konglomerat von historischen Gebäuden, die damals als hoch galten und heute um noch weit höhere Neubauten ergänzt wurden. Die Schriftzüge alter Werbeschilder leuchten noch mit klassischen Glühbirnen und eine große Straßenkreuzung macht dem New Yorker Times Square mit seinen riesigen, bunten Werbedisplays echte Konkurrenz. Und wenn die Fußgängerampeln dort auf Grün schalten, wuseln die Passanten alle gleichzeitig über große Zebrastreifen – fast wie auf der berühmten Kreuzung in Tokio. So viel Action, egal, wo man hinschaut. Ein herrliches Schauspiel!

Ebenfalls in der Altstadt liegt die Graffiti Alley – ein Straßenzug, in dem so ziemlich jedes Haus ein kunstvoll buntes Wandmaling trägt. Sogar ein futuristischer Cybertruck von Tesla steht hier – ebenfalls mit einer kunstvollen Dekofolie beklebt. Überhaupt gibt es in diesem Viertel jede Menge Subkultur, wo jeder genau das Richtige für seine jeweiligen Bedüfnisse findet: Der Asiate sein spezifisches Lebensmittelgeschäft, der geneigte Raucher sein legales Cannabis und der fröstelnde Tourist seinen Karamell-Latte und Soja-Chai – so wie wir.

Die magische Kraft der Niagara-Fälle

Nach so vielen Impressionen aus der Großstadt und dem dichten Gewühl freuen wir uns auf eine Abwechslung in der Natur mit einem Spektakel der Superlative: bei den Niagara-Fällen. Die Kandadier teilen sich diese gewaltige Kulisse mit den USA, wobei der imposanteste Part, die Horseshoe-Falls, auf der kanadischen Seite liegt – Schwein gehabt!

Sie zählen zu den wasserreichsten Wasserfällen der Welt und diese Kraft ist wirklich enorm. Wir hören sie schon vom Parkplatz aus donnern. Abends werden sie mit bunten Farben wechselnd angeleuchtet, als wäre diese gigantische Masse an Nass nicht schon beeindruckend genug. Ich bekomme kaum die Kinnlade wieder zu und merke ganz deutlich, wie diese Energie sich auf mich überträgt. Ich fühle mich hinterher so kraftvoll, als könnte ich Bäume ausreißen.

Durch diesen überwältigenden Anblick euphorisiert, kommen wir erst sehr spät ins Bett. Dabei klingelt schon um 4:45 h wieder der Wecker, denn wir wollen die Wasserfälle unbedingt nocheinmal bei Sonnenaufgang bewundern. Das ist so überhaupt nicht meine Uhrzeit! Kaffee und Schoki müssen jetzt erst einmal reichen für den ersten Energieschub des Tages, für Frühstück ist jetzt keine Zeit. Am Himmel blinzelt schon die Morgendämmerung hervor und wir beeilen uns, der Sonne zuvorzukommen.

Wir haben 0 Grad und meine Finger frieren fast an der Kamera fest, aber wir haben unverschämtes Glück! Die Wolken zaubern eine wunderschöne Struktur an den Himmel, so dass die Weite noch viel mehr zur Geltung kommt und darunter hat die Morgensonne freie Bahn, die Szenerie perfekt auszuleuchten. Diese Wasserfälle besitzen so viel Macht, da steckt so viel Kraft dahinter. Und es kommt unaufhaltsam immer weiter, immer weiter Wasser nach. Tief beeindruckend! Wir können uns gar nicht sattsehen.

Übers Jahr verteilt sollen rund 12 Mio Touristen herkommen. Doch um diese frühe Uhrzeit ist einfach mal gar keiner hier außer uns. Ist das herrlich! Keiner stört das Spektakel und es fühlt sich an, als ob die Wassermassen sich ganz allein für uns in den Abgrund stürzen würden.

Auch nach diesem Besuch bin ich wieder so voll geladen mit neuer Energie – das ist mal ein Kraftplatz erster Güte!

Zurück bei Balu wärmen wir uns erstmal die Finger an einem heißen Tee wieder auf und mummeln uns nochmal gemütlich ein. Das frühe Aufstehen macht sich jetzt doch deutlich bemerkbar. Aber am Nachmittag können wir es nicht lassen und fahren diesmal mit dem Rad nochmal an den Fällen vorbei und entdecken dabei eine Art kleinen botanischen Garten mit blühenden Tulpen und Magnolien. So langsam scheint auch in Kanada der Frühling Einzug zu halten. Wird aber auch Zeit!

Frühling in Niagara-on-the-Lake

Hier in dieser malerischen Gegend von Niagara-On-The Lake am riesigen Ontario-See herrscht ein ganz besonderes Mikroklima. Es reiht sich ein Weingut an das nächste, zwischendurch gespickt mit Apfelplantagen in voller Blüte. Dazu gesellen sich Bäume in voller Kirschblüte und Magnolienblüte, herrlich! Überhaupt grünt und sprießt es hier endlich an allen Ecken. Wir haben schließlich Anfang Mai, da darf auch ein solch nordisches Land mal aus dem Winterschlaf erwachen, finde ich. Die Sonne lacht und macht richtig Laune, die Gegend mit dem Rad zu erkunden.

Schicke Holzhäuser und große Villen machen deutlich, dass nicht nur durch den Speckgürtel von Toronto, sondern offenbar auch durch die Wein- und Obstplantagen ein gewisser Wohlstand gegeben ist. Und die gesamte Region strahlt unglaublich viel Friedlichkeit aus.

Von einem Park aus können wir sogar ein Fort der USA auf der gegenüberliegenden Seite einer Bucht sehen. Die großen Nachbarn sind hier ganz nah dran. Ein Bild auf dem Tresen eines Ladens zeigt, dass sie sich wieder mehr Miteinander und ein Sich-Wieder-Vertragen wünschen. Die Kanadier sind derzeit nicht so gut auf die USA zu sprechen. Verständlich, da sie keinesfalls vorhaben, deren 51. Bundesstaat zu werden.

Wir genießen jedenfalls diese Gegend und können sogar endlich mal kurze Klamotten anziehen.

Wir entdecken rein zufällig noch das niedliche Zentrum des Ortes, mit dem wir gar nicht gerechnet hatten. So etwas hat hierzulande ja sonst Seltenheitswert. Wir testen uns durch wirklich leckeren, nach Erdbeeren schmeckenden Wein aus dieser Region und durch ein paar Eissorten. Dann schlendern wir gemütlich entlang der bunten, kleinen Läden. Ein richtig schönes Urlaubsgefühl ist das!

Am Ende verabschieden wir uns schweren Herzens aus diesem Blumenparadies. Denn uns ist schon klar, dass wir wieder mehr dem Winter entgegenfahren, sobald wir aus dieser warmen Ecke des Landes rauskommen. Und genau so ist es auch: Die Bäume tragen noch kein Laub, das Gras ist wieder winterlich gräulich und Blüten suchen wir auch vergeblich. Aber so ist es nunmal und wir ziehen weiter durch das Land.

Dafür liefert der abendliche Himmel ein großartiges Farbspektakel und gleicht damit eine ganze Menge der Tristesse aus. Mit einem Weinchen auf der Puschelcouch bei Balu – wir haben einen wunderschönen Platz an einem See für die Nacht gefunden – lässt es sich herrlich aus dem Warmen heraus beobachten.

Karibik-Gefühl im Bruce Peninsula National Park

Wir durchqueren ein Gebiet, in dem noch viele Mennoniten leben. Aus tiefer Überzeugung lehnen sie jede fortschrittliche Technik und z.T. sogar die Nutzung von Elektrizität ab. Wir sehen sogar einige von ihnen in ihrer traditionellen Kutsche über die Landstraße fahren – gekleidet in ihren urtümlichen Gewändern und Hüten.

Auch wenn sicherlich nicht jeder technische Fortschritt nur Vorteile bringt, machen wir uns doch lieber motorisiert auf zum nächsten Ziel, dem Bruce Peninsula National Park. Wir erwarten gar nicht viel Besonderes und gehen eine Runde durch einen Wald wandern, der eins zu eins auch im Harz hätte liegen können.

Doch plötzlich leuchtet ein quietschiges Türkis durch die Bäume. Diese Farbe besitzt eine magische Anziehungskraft auf mich! Und siehe da: Eine wunderschöne Bucht eingetaucht in dieses leuchtende Türkis liegt zu unseren Füßen, malerisch umringt von schroffen Felsen und tiefgrünen Tannen. Wunderschön! Karibik mit kanadischem Drumherum. Über Felsen kletternd führt der Weg noch an weiteren traumhaften Buchten vorbei, die wir geradezu inhalieren. Es ist zum Glück noch Vorsaison und fast nichts los. Sonst zählt dieser Nationalpark zu den beliebtesten Ausflugszielen im Bundesstaat Ontario. Das ist wiederum der große Vorteil an dieser Jahreszeit!

Versunkene Wracks in Tobermory

Ein nächster optischer Leckerbissen sind die Wracks rund um Tobermory herum. Das Örtchen liegt an der äußersten Spitze der Halbinsel. Dies hatte uns eine Kanadierin in Toronto wärmstens empfohlen, die von Balu und unseren Reisplänen absolut begeistert gewesen war. Wir schauen, ob wir auch ohne extra zu buchende Bootstour einige Wracks erspähen können. Aber fast jegliches Ufer ist Privatgelände und es lässt sich keine Menschenseele vor der Tür blicken, die wir um Erlaubnis fragen könnten. So bleiben wir zunächst erfolglos.

Erst am nächsten Morgen fährt im letzten Augenblick doch noch jemand auf seine private Auffahrt – exakt auf dem Grundstück, das dem Wrack am nächsten liegt. In dieser Bucht wurde das Schiff einst auf eine Sandbank getrieben. Jörg darf die Drohne steigen lassen und so können wir doch noch eines der insgesamt 25 hier versunkenen Schiffe entdecken! Durch das glasklare Wasser ist es wunderbar zu erkennen. Das Licht hat gerade den besten Einfallswinkel und keine Wolke schiebt sich davor. Wieder einmal haben wir richtig Glück gehabt!

Manitoulin Island – Auf der Spur des großen Geistes

Gerade rechtzeitig schaffen wir es noch zur Fähre hinüber nach Manitoulin Island, der weltweit größten Süßwasserinsel. An Bord treffen wir zufällig eine deutsche Familie wieder, der wir bereits im Bruce Nationalpark begegnet waren. Wir sitzen an Deck zusammen in der Sonne, plaudern und lassen uns den kühlen Wind um die Nase wehen.

Auf dieser viel Frieden ausstrahlenden Insel wohnen noch acht verschiedene Stämme der First Nations. Dort hoffe ich, noch weiter ins Gespräch mit den Medizinleuten zu kommen. Es gibt hier auch Welcome-Zentren, in denen man in den Sommermonaten z.B. geführte Wanderungen inklusive traditioneller Heilpflanzenkunde und alten Zeremonien buchen kann. Jetzt hoffe ich, auch abseits der Hochsaison mit den entsprechend Kundigen ins Gespräch zu kommen.

Das nicht unwesentliche Hindernis dabei ist, dass es kurz vor dem Wochenende ist und die Zentren bereits in zwei Stunden schließen. Öffnungszeiten hatte ich vorab nicht bedacht – auf Reisen verliert man ja doch schnell mal das Zeitgefühl. Freitag, Sonntag, Dienstag – ist ja im Unterwegsalltag meist auch völlig wurscht. Das zuerst angesteuerte Zentrum ist erst zu, dann verweist doch noch jemand auf das Gesundheitszentrum nebenan und die dortigen Mitarbeiter wiederum auf die Ambulanz gegenüber. So unangekündigt und ungeplant haben sie alle keinen Heilkundigen vor Ort. Was mir aber auffällt und mich sehr beruhigt, ist ihre Offenheit und Hilfsbereitschaft. Ich war mir unsicher, wie sie mein spezielles Ansinnen aufnehmen würden. Aber sie freuen sich sogar über mein ehrliches Interesse. Das erleichtert mich doch sehr.

Das zweite Welcome Center ist zwar noch geöffnet, aber die Antworten wiederholen sich. Zumindest gibt es dort bereits einiges über die ursprüngliche Lebensweise zu erfahren. Die hier lebenden Algonkin-Völker (wie z.B. die Anishinaabe) tragen die Vorstellung in sich, dass der Manitou hier auf dieser Insel die Erde, das Universum, die vier Elemente (Erde, Wasser, Feuer, Luft) und schließlich das Leben selbst erschaffen hat. Der Manitou ist der Große Geist – die allgegenwärtige, spirituelle Lebenskraft. Sie durchzieht die gesamte Natur – Tiere, Pflanzen, Steine, das Wetter und den Menschen. Andere Stämme wiederum haben ganz eigene Schöpfungsgeschichten, es gibt keine einheitliche Erzählung für alle.

Die Stämme organisieren sich traditionell in Clans, die jeweils unterschiedliche Aufgabenbereiche wie Bildung, Essen, Medizin, Spiritualität und Schutz zugeteilt bekommen. Diese sind nach Tiernamen benannt: Zum Vogel-Clan mit dem Adler als starkem Tierbild gehören beispielsweise die spirituellen Lehrer und Visionäre. Der Bär-Clan wiederum war die Gruppe für die Medizinleute, deren besondere Fähigkeit das Auffinden von speziellen Heilpflanzen und Wurzeln lag. Noch heute tragen sich diese alten Strukturen in durch ihre Gesellschaft. Auch wenn die First Nations längst ganz normalen modernen Berufen nachgehen und ein ebenso modernes Leben führen. Aber die alten Fähigkeiten scheinen sie sich dennoch im Kern erhalten zu haben. Ich bleibe dem weiter auf der Spur – die Witterung habe ich zumindest schonmal aufgenommen.

Wanderung auf dem Cup and Saucer Trail

In der Nähe des Lake Manitou auf der Insel begeben wir uns auf eine Wanderung auf dem Cup and Saucer Trail. Dieser besticht vor allem durch seine markanten, vorspringenden Felsplateaus hoch über der Landschaft, unter denen es abrupt senkrecht in die Tiefe geht. Im besten Nachmittagslicht genießen wir die weite Aussicht.

Am Abend finden wir adirekt an diesem See einen wunderbaren Stellplatz auf dem Gelände einer super netten Kanadierin. Und da ich bei dem Namen Manitou ständig an den Kinofilm „Der Schuh des Manitou“ denken muss, kann ich gar nicht anders, als überall nach einem Schuh und einem Kanu Ausschau zu halten… 😉

670 km geradeaus

Wir fahren wieder aufs Festland und lassen den Ontario Lake endgültig hinter uns. Was jetzt laut Navi kommt, sind erst einmal sage und schreibe 670 km gaaanz geradeaus – ohne ein einziges Mal abzubiegen! Auf der linken Seite begleitet uns nun der gewaltige Superior Lake, während sich auf der rechten Seite tausende von kleinen Seen aneinanderreihen.

Die Great Lakes wirken wie echte Meere – es ist absolut kein Ufer auf der anderen Seite zu sehen, nur riesige Wasserflächen bis zum Horizont. Die kleineren Seen sind alle umrandet von Tannen und winterlich kahlen Laubbäumen. Manchmal durchziehen kleine Bachläufe die Moore. Die Farben der Felsformationen bieten hier optisch eine kunterbunte Auflockerung, und viele tosende Wasserfälle laden zu einer kleinen Pause ein.

Die Häufigkeit der Elchschilder nimmt auf dieser Strecke deutlich zu. Bei dieser wilden Landschaft erwarten wir eigentlich ununterbrochen, dass doch bestimmt mal einer dieser großen Tiere hinterm Baum vorlugt. Und tatsächlich: Erst läuft einer in der Ferne ganz langsam über die Straße, und kurz darauf steht auch noch ein zweiter am Waldesrand und beäugt uns skeptisch. Ha, erste Elchsichtung! Toll!

Nach einer Übernachtung an einem wunderschönen Strand geht’s bei Gepladder wieder stundenlang geradeaus. Die Wolken hängen tief – und die Motivation bald auch. Was predige ich beim Coaching immer? Die Situation genau so annehmen wie sie ist. Wenigstens haben wir so keinerlei Mücken, die sonst im Sommer bei so vielen Seen in Heerscharen über uns herfallen würden. Hat also auch was Gutes! Positiv denken!

Unser Balu schluckt bei dem heutigen Gegenwind so einiges weg, und so ist dann auch mal wieder tanken angesagt. Aber es gibt hier nur noch Pusemuckeldörfer bestehend aus 3 Häusern und in zweien dieser Örtchen ist an der Tankstelle einfach mal der Diesel aus. Öhm, äh, pffff! Wie lange reicht unser Sprit noch? Für 30 Minuten bei gleichbleibendem Tempo. Laut Google ist der nächste etwas größere Ort in 23 Minuten erreichbar. Mit 70 km/h nuckeln wir die letzten Kilometer vor uns hin, in der Hoffnung, dass dort der ersehnte Lebenssaft für unseren treuen Gefährten zu bekommen ist. Auf den letzten Drops rollen wir auf den Hof der Tankstelle und – tatsächlich! Sie haben noch was und wir tanken erstmal voll. Diese enormen Entfernungen erfordern ein bisschen Vorausdenken, lernen wir daraus…

Heute fahren wir wieder an vereisten Seen entlang. Frostig, aber auch wieder wunderschön anzusehen. Auf manchen meine ich noch Fahrspuren zu erkennen. Die scheinen hier im Winter so dick zuzufrieren, dass auch Autos darüber fahren können. Krass!

Der unschlagbare Vorteil an dieser wilden, weiten Landschaft ist, dass wir mit dem Camper wirklich absolut frei stehen können für die Nacht. Dieses Mal soll es ein ruhiges Plätzchen direkt am Flussufer sein. Das Wetter hält, so dass wir unserer neuen Feuerschale die offizielle Feuertaufe geben können. Funktioniert wirklich gut und sie wirft sogar Wärme ab. Scheinbar für die Region aber noch nicht genug, denn als wir am nächsten Morgen aus dem Fenster schauen, schneit es in dicken Flocken….

Nach erneut vielen Kilometern auf dem Highway haben wir die Sonne wieder eingeholt und wiederholen unser gemütliches Lagerfeuerchen. Am nächsten Tag ist es sogar so herrlich warm, dass wir uns erstmal richtig schön raussetzen und sonnen können. Wir mögen gar nicht weiterfahren und so sehen wir nach einer Weile schon ein bisschen angeknuspert aus.

Abends zum gemütlichen Feierabend erstellen wir von unseren Fotos und den vielen Eindrücken von unterwegs gerne Zeichnungen und Aquarelle. Dies sind meine bisherigen Ergebnisse.


1:1 Mentoring von unterwegs

Die Eindrücke und Naturimpulse meiner Weltreise sowie die besondere Energie von Kraftorten fließen ganz natürlich in meine Arbeit ein. Aus dem Camper heraus begleite ich Unternehmer:innen und starke Persönlichkeiten im ortsunabhängigen 1:1-Mentoring (via Videotelefonie) dabei, innere Begrenzugen zu lösen und das eigene Potenzial für mehr Freiheit und Souveränität zu entfalten.

Um meine eigene Freiheit im Reisealltag zu wahren, ist dieser Raum für die exklusive Zusammenarbeit auf wenige Plätze limitiert.

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