Das Tor zum Westen
Kaum, dass wir die unsichtbare Grenze zum Bundesstaat Manitoba überfahren, bricht die vertraute Kulisse aus tiefen Tannenwäldern und stillen Seen schlagartig weg. Als hätte jemand eine Leinwand mit einem einzigen dicken Pinselstrich übermalt, stehen wir plötzlich in einer unendlichen Weite – riesige Ackerflächen bis zum Horizont fluten die Landschaft.
Kurz vor Winnipeg haben wir schonmal einen Wegmarker geschafft – wir haben die geografische Mitte des Landes erreicht! Einmal tief durchatmen, das war bis hierher schon ein langer Ritt! Ab hier startet unsere Weltreise in den ungezähmten Westen Kanadas.
Das zweitgrößte Land der Welt präsentiert sich tatsächlich mit unglaublichen Strecken. Wir waren bereits auf einiges gefasst. Diese Weiten dann aber tatsächlich Kilometer für Kilometer zu durchfahren, rüttelt das eigene Raumgefühl noch einmal völlig neu wach.
Winnipeg bietet nach der langen Kurverei eine willkommene Abwechslung. Wir manövrieren Balu auf ein zentral gelegenes, friedliches Plätzchen im Grünen und nutzen die Zivilisation für ganz profane Dinge wie Wäsche waschen, Vorräte auffüllen und Beine vertreten. Klassischen touristischen Charme versprüht dieser Ort ehrlicherweise nicht. Eine Fotorunde ist natürlich trotzdem Pflicht.











Was sich jedoch als absolut faszinierendes Naturschauspiel entpuppt, ist eine unbändige Sandmenge, die der kräftige Wind von den noch unbewachsenen, großen Ackerflächen ringsherum aufwirbelt. Die gesamte Stadt hüllt sich in einen mystischen, gelblich-bräunlichen Dunst. Die Straßen atmen eine regelrechte raue Wüstenatmosphäre.
Die Böen peitschen schließlich so stark gegen unser Zuhause auf Rädern, dass wir für die nächste Übernachtung Schutz hinter einem Outdoorladen suchen. Dort kommen wir mit den Mitarbeitern ins Gespräch und erhalten die erste Einweisung in die ungeschriebenen Gesetze der Wildnis: Wie begegnet man einem Bären? Ab den Rockies tummeln sich die majestätischen Pelzträger in den Wäldern – ab dort ist Intuition, Vorsicht und Bärenspray angesagt, auch wenn wir nicht vorhaben, Letzteres einzusetzen.


Acker, so weit das Auge reicht
Auch am nächsten Tag kennt der Sandsturm keine Gnade. Er fegt erbarmungslos über das flache Land. Es braucht Kraft und Fokus, Balus Lenkrad permanent festzuhalten, damit er uns nicht zur einen Seite ausbüxt. Hinzu kommen die unsichtbaren, schweren Luftwalzen, die die massiven Trucks vor sich herschieben und uns bei ihren donnernden, PS-lastigen Überholmanövern von der anderen Seite fast wegdrücken. Eine ganz schön wilde Segelei ist das!
Ich staune immer noch über die Ausmaße dieses Ackerlands. Felder bis zum Horizont in einer Dimension, die das europäische Vorstellungsvermögen schlichtweg sprengt! Dazu kaum ein Baum, kaum ein schützender Strauch, der dem Wind Einhalt gebieten oder Tieren eine Heimat bieten könnte. Kein Wunder, dass hier alles durch die Luft weht. Die Traktoren, die diese endlosen Felder bearbeiten, sind gigantische Maschinenmonster mit Doppelbereifung am Heck. Alles hier ist eine Manifestation von: größer, weiter, höher!
Im nächsten Bundesstaat Sasketchewan stehen mitten in den noch braunen, unbewachsenen Feldern stählerne Pferdeköpfe der Ölpumpen und saugen im monotonen, mechanischen Rhythmus das schwarze Gold aus dem Boden. Der Erde wird hier unbarmherzig die doppelte Leistung abverlangt, aber zurückgegeben wird nichts. Für mich verströmt dies ein Gefühl der Seelenlosigkeit. Eine Kollegin gab mir den Impuls, die Erde an diesem Ort zu segnen. Das habe ich im Quantenfeld abgefragt und habe ein Einverständnis aus der Natur erhalten. Kaum die entsprechende Frequenz über das Land geleitet, habe ich augenblicklich ich eine spürbare Welle von reinster Dankbarkeit der Erde zurückbekommen.
Über Stunden gleiten wir nun schon durch diese recht eintönige Landschaft, getragen von schnurgeraden, endlosen Asphaltbändern. Und dennoch wird es dem Auge nie langweilig. Denn über uns inszeniert der Himmel ein ununterbrochenes, episches Drama aus Licht, Wolken und Schatten. Nicht umsonst trägt Sasketchewan den stolzen Beinamen „Land of Open Skies“.










Bisons und tiefe Stille im Grasslands NationalPark
Wir trudeln im verschlafenen Nest Cadillac ein und verdaddeln erstmal einen verregneten Tag im Schutz von Balu. Der Ort lässt mich unwillkürlich die Frage stellen, warum man hier mitten im Nirgendwo wohnen möchte und mit etwa 1000 Leuten zusammen den Beschluss fasst: Hier bleibe ich, hier lasse mich nieder.



In der Nähe erstreckt sich der Grasslands Nationalpark. Eine weitläufige Landschaft, bewachsen mit ganz ursprünglichen Gräsern, die es nur noch hier gibt. Die besondere Fruchtbarkeit des Bodens erklärt, warum der riesige Rest, mit dem Kanada im Zentrum des Landes bedeckt war, längst Ackerland gewichen ist.
Die Geografie ist nicht nur flach. Die Erde zeigt sich zerfurcht von sanften Tälern. Ein wahrhaftes Paradies für Bisons. Dass heute hier nur noch etwa 400-600 dieser majestätischen Tiere leben – statt der einstigen Millionen – liegt an den systematischen Abschlachtungen durch die frühen Einwanderer. Es ging um Felle, aber vor allem darum, den Indigenen die Lebensgrundlage zu rauben. Die Tiere waren fast vollständig ausgerottet. Aus den wenigen Überlebenden wurde über Jahrzehnte diese kostbare Herde geformt.
Die allerersten Bewohner, die wir erspähen, sind die zuckersüßen Präriehunde. Wie kleine Erdmännchen stehen sie auf ihren Erdhügeln Wache, um ihre Artgenossen bei Gefahr oder wahlweise Tourist über helle Rufe zu warnen. Der gesamte Prärieboden ist von diesen Erdbewohnern zerlöchert wie ein Schweizer Käse. Und alle flitzen fleißig durch die Gegend.




Im Visitor Center hatte uns die Rangerin nicht viel Hoffnung darauf gemacht, die imposanten Bisons zu erspähen. Die Mütter hätten sich mit ihren Kälbern jetzt in der unzugänglichsten Ecke des Parks versteckt und der Rest sei weit vertreut. Na, wir werden sehen.
Wir brechen auf einem schmalen Trampelpfad zu einer Mountainbiketour auf. Die Reifen sinken auf der gesamten Strecke immer ein Stück in den weichen Boden ein. Die Fahrt wird mühselig, wir kommen mächtig ins Schnaufen. Aber die Kulisse ist von einer unbeschreiblichen, tiefen Friedlichkeit durchdrungen, die jede Anstrengung lohnt. Nach einer Weile erspähen wir ein paar winzige, schwarze Punkte in der Ferne und unser Trail führt direkt in ihre Richtung.
Wir biegen um eine Hügelkuppe – und da stehen sie plötzlich. Zwei prächtige, tonnenschwere Exemplare der Bisons. Vor Schreck donnern diese schwarz-braunen massigen Urzettiere los und suchen das Weite. Ich frage mich, wer sich gerade mehr erschrocken hat: die Bisons oder wir. Aus sicherer Distanz beäugen sie uns kritisch, bevor sie hinter der nächsten Biegung verschwinden.
Unser Trail folgt unbarmherzig genau ihrer eingeschlagenen Richtung. Zwei Hügel weiter stehen sie an einem Wasserloch. Sie haben uns genau im Visier. Als einer der Bullen den Schwanz hebt – das unmissverständliche, erste Warnsignal – , steht die Zeit kurz still. Bisons sind grundsätzlich friedlich, aber wenn sie sich bedroht fühlen, können sie ihre unkontrollierbare Naturgewalt entfesseln und zum Angriff übergehen. Nein, danke! Wir rühren uns nicht von der Stelle, bis sie gemächlich weiterziehen.
Wir kommen uns vor wie unfreiwillige Bisonhirten, da der Trail uns exakt hinter ihnen her zwingt. Ein durchaus intensiver Nervenkitzel. Endlich biegt der Pfad ab, und wir können sie weitläufig umgehen.
Aber das ist doch der Knaller! Mit null Erwartung gestartet und dann diesen majestätischen Geschöpfen in freier Wildbahn Auge in Auge begegnet! Fantastisch!








Das Dark-Sky-Feuerwerk und das Model der Prärie
Doch der Tag hat sein Pulver noch nicht ganz verschossen. Auf dem Weg zum Campground des Nationalparks wirft die Sonne ihr warmes, goldenes Licht über die weite, endlos wirkende Landschaft. Und tatsächlich steht direkt neben der Schotterpiste das nächste Bison und grast in stoischem Frieden. Es lässt sich nicht im Geringsten von uns stören, posiert fast schon für unsere Kameras und präsentiert sich von seiner allerbesten Seite.
Der Campground liegt so tief im Nirgendwo, dass das ganze Areal als Dark-Sky-Area ohne jede Lichtverschmutzung deklariert ist. Die Wolkenstaffeln des Tages haben sich zur Nacht hin vollständig aufgelöst und über uns entfaltet sich sternenklarer Himmel. Auf dem Bett liegend, bewundern wir durch das Dachfenster das kosmische Spektakel. Sogar das helle Band der Milchstraße ist zu erkennen und funkelt uns zu. Zur Krönung bricht in der Dunkelheit das Heulen der Cojoten los – ein faszinierender, schaurig schöner Sound. Sobald sie verstummen, herrscht absolute Stille. Nichts ist zu hören. Gar nichts.





Wir verlängern unseren Aufenthalt, saugen die ruhige und gleichzeitig kraftvolle, unverfälschte Energie dieser Landschaft in uns auf. Es duftet würzig nach wilder Wiese, während der Wind sanft durch das endlose Gras säuselt.
Als wir den Park am Abend verlassen, steht unser Bison-Model tatsächlich immer noch an derselben Stelle und liefert eine erneute Performance für die Kamera ab. Es fehlt nur noch, dass es sich mit einem Huf lässig durch den puscheligen Schopf fährt. Ein breites Grinsen in unserem Gesicht – so viel zum Thema „geringe Sichtungschancen“. Was wir für ein gigantisches Glück haben!




Am Horizont ziehen dunkle Regenwolken auf. Das Wetter inszeniert wieder einmal ein dramatisches Schauspiel am Himmel, während es bei uns vollkommen trocken bleibt. Ich denke, ich müsste die Kamera auch mal wieder aus der Hand legen – und schaffe es doch nicht, zu faszinierend ist der Anblick. Insgeheim schicke ich für ein Feierabend-Highlight noch den Wunsch nach einem Regenbogen los. Kaum auf unserem Platz für die Nacht angekommen, steht er tatsächlich in voller Pracht am Himmel. Das nenne ich mal eine prompte Lieferung! Juhu! Läuft bei uns!




Prärien und Rocky Mountains
Kilometer für Kilometer nähern wir uns den Rocky Mountains, während uns die Weite der Prärielandschaft noch lange erhalten bleibt. Der Himmel baut weiterhin an einer dramatischen Deko aus gewaltigen Regenwolken, die sich bis zum Horizont staffeln. Doch wir bekommen weiterhin fast keinen einzigen Tropfen ab.





Wir steuern einen Ort an, der den absurden, fast brutalen Namen Head-Smashed-In Buffalo Jump trägt. Die frühen Jäger trieben hier Mammuts und später Bisons in Massen zusammen, um sie in einer koordinierten Hetzjagd über die Klippen in den Tod stürzen zu lassen. Während die Menschen früher sonst im Einklang mit der Natur gelebt haben und nur das nahmen, was dem Überleben diente, setzte diese nachhaltige Lebensweise hier im Rausch der Jagd wohl gnadenlos aus.
Der Name dieses Ortes führt auf die Mutprobe eines Mannes zurück. Er versteckte sich am Fuß der Klippe, um den Absturz der Tierherde aus nächster Nähe zu beobachten. Dabei wurde er von dem fallenden Leib eines Bisons mitgerissen und sein Schädel zertrümmert.




Es grenzt an Ironie, dass ein Ort mit solch einer blutigen Historie so viel Frieden ausstrahlt. Außer uns ist auch keine weitere Menschenseele hier. So deklarieren wir dieses Plateau zu unserem exklusiven Übernachtunsgplatz und genießen die Top-360°-Rundumsicht. Zur einen Seite die schroffen Klippen, neben uns die unendliche Prärielandschaft und im Hintergrund reiht sich majestätisch die schneebedeckte Kette der Rocky Mountains auf. Die Abendsonne und die Wolken zaubern erneut ein buntes Spektakel an den Himmel mit lila Wolken und orangenem Regen.





Wir sind nun mittlerweile im Bundesstaat Alberta angekommen und die Landschaft verändert sich. Weideland verdrängt den Ackerbau und riesige Ranches prägen das Bild. Und so ist es auch wenig verwunderlich, dass hier Cowboys stilecht mit entsprechendem Hut und Stiefeln im Supermarkt anzutreffen sind. Auf dem Pferd muss ich sie leider dennoch suchen, aber es gibt ihn wohl noch, den typischen Cowboy.
In dieser lieblichen Umgebung suchen wir unseren nächsten Übernachtungsplatz. Auf einer Ranch, die so groß ist, dass wir ihre äußeren Begrenzungen nicht erkennen können, fragen wir bei einer älteren Lady nach einem Stellplatz. Sie ist zunächst verwundert über unsere Anfrage, lässt uns aber gern auf der unendlich großen Weide verweilen. Wir können von hier aus nicht einmal ihr Haus erspähen, so groß ist ihr Grundbesitz. Wir genießen den weiten Blick. Ich mag es, wenn die Landschaft eher flach ist und Berge nur zur Deko im Hintergrund dienen.
Am nächsten Morgen blubbert ein satter V8-Motor neben Balu – die Dame bringt uns sogar noch ein Großpack Eier zum Frühstück vorbei. Wie süß!






Ranchleben
In dieser Gegend kann ich gar nicht anders, als mir eine Ranch anzusehen. So besuchen wir die als lebendiges Museum umgestaltete, älteste Ranch Albertas: die Bar U Ranch.
Eine junge Frau und ein älterer, charismatischer Herr fahren uns mit einer traditionellen Kutsche zu den historischen, rotgetünchten Holzgebäuden. Wir erfahren viel über das frühere Ranchleben. Im Gespräch stellt sich heraus, dass unser Kutscher zur Hälfte auch von den First Nations stammt. Auf meine Frage nach alten, traditionellen Heilverfahren der indigenen Völker hin muss er passen. Zu seiner Jugendzeit wurde dieses heilige Wissen zu stark unterdrückt und umerzogen, als dass er davon hätte etwas mitnehmen können.
Er erzählt uns von den Eldern, den weisen Wissenshütern, die sich jedes Wochenende an einem besonderen Ort in den Flussauen einfinden, um heilige Kräuter wie Salbei rituell zu ernten. Aber dies sei eine private wie auch heilige Angelegenheit, bei dem keine Externen erwünscht seien. Aber er verweist auf seine Tochter und Enkelin im Shop oben im Ort. Die könnten mir eventuell weiterhelfen. Gut, mach ich. Jetzt ist erstmal Ranch anschauen angesagt, inklusive Lassoschwingen.













Der nächstgelegene Ort Longview verströmt eine gemütliche Westernatmosphäre. Dort gehe ich tatsächlich dem genannten Kontakt nach. Man bietet mir an, eine weise, indigene Frau für 200 € für einen halben Tag im Shop anzuheuern, damit ich zwischen Tür und Angel mit ihr sprechen kann. Dieses Konstrukt ist mir zu künstlich und ich lehne dankend ab.
Die Menschen betonen zwar die zunemende Offenheit für ihre Kultur, doch die traumatischen Wunden der Vergangenheit sitzen tief. Das koloniale System der Reservate und der Residential Schools, bei denen Kindern der Elternkontakt verwehrt und ihre Herkunft, Sprache und Kultur unterdrückt und ausgetrieben wurde, haben ein kollektives Trauma hinterlassen. Das daraus resultierende Misstrauen, das noch heute zu spüren ist, ist nur allzu verständlich. Der Weg zu den Wissenshütern wird sich schon ergeben, wenn es so sein soll und wenn die Zeit dafür reif ist.



Ab in die Rockies
Kaum eine halbe Stunde, und wir sind aus den Prärien hinaus- und mitten in die Rocky Mountains hineingefahren. Schneebedeckte Berge und dunkle Tannen umringen uns. Man erzählt uns, dass es vor zwei Tagen erst frisch geschneit hat. Pünktlich zu unserer Ankunft hat die Natur noch also extra noch weiße Deko auf den Gipfeln verteilt, herrlich!
Da wir uns hier in einem Provincial Park befinden, dürfen wir nur auf einem offiziellen Campground übernachten. Aber das Gefühl ist fast so, als würden wir frei in der ungezähmten Natur stehen. Wir entfachen ein knackendes Lagerfeuer, Jörg spielt Gitarre und mit unserem Gesang vertreiben wir sicher ein paar Bären.







Wir treffen noch ein deutsches Ehepaar. Auf lange Sicht haben wir dieselbe Route. Wir tauschen Nummern aus. Mal sehen, ob wir uns wiedertreffen. Die Welt ist ja manchmal klein.
Wir dringen nun weiter in die Rocky Mountains vor – in den Kananaskis Provincial Park. Hier haben wir endlich wieder das Gefühl, mitten im Frühling angekommen zu sein. Quietschgrüne Laubbäume wechseln sich mit dunkelgrünen Tannen ab. Gelbe Löwenzahnblüten setzen bunte Farbkleckse in die Bergwiesen und das Thermometer schwingt sich auf angenehme Temperaturen ein. Wir stoppen mit Balu hier und da, um das Landschaftspanorama tief in uns aufzusaugen. Sogar eine Elchmama mit ihren zwei Kleinen lässt sich am Waldrand blicken. Eine seltene, berührende Begegnung, die auch nur allzu schnell wieder vorbei ist.









Wunschkonzert mit Grizzlies!
Wir wählen eine abseits der üblichen Routen gelegene, staubige Piste. Ein Pass weiter oben war bereits wegen Bärenaktivitäten gesperrt, es ist also tatsächlich mit Wildtieren zu rechnen. Als wir über die Piste ruppeln, schicke ich den Wunsch los: Ich möchte Bären sehen! Am besten aus dem sicheren Schutz des Autos heraus und dennoch aus nächster Nähe. Dann lasse ich den Gedanken los, wir sind ja nicht im Zoo.
Und dann tauchen auf wundersame Weise tatsächlich zwei prächtige Grizzlies – eine Mutter mit ihrem Jungen – aus dem Unterholz auf und laufen fast eine halbe Stunde parallel zur Piste neben uns her! Wir bekommen die Kinnlade nicht zu. Die beiden lassen sich nicht im Geringsten beirren und suchen erstaunlich schnellen Schrittes weiter nach frischen Gräsern und Beeren. Sie bescheren uns damit ein wirklich magisches Erlebnis. Und wer diesen Geschöpfen einmal direkt in die Augen geschaut hat, der kann sich vielleicht vorstellen, dass diese Tiere sehr wohl wehrhaft sind (guckt mal auf die Klauen und die Muskeln), aber keinesfalls grundauf bösartig!
Es ist praktisch wie eine perfekte Lektion aus dem Lehrbuch für Coaching und Energiearbeit: ein klares, positives Ziel setzen, die Erwartung los- und das Universum liefern lassen. Das Ergebnis übertrifft oft jede Vorstellung! Manchmal ist das Leben eben doch ein Wunschkonzert!










Als wir abends auf dem Campground mit den Rangern sprechen, schütteln sie fassungslos den Kopf. Sie selbst haben erst einmal in ihrem Leben Schwarzbären gesehen. Eine der beiden stammt sogar aus einem Ort, der in der Nähe von Bärengebieten liegt. Aber Grizzlies sind sie noch nie begegnet. Und wir sind den ersten Tag in den Rocky Mountains und sehen gleich zwei von ihnen und teilen ihren Weg für eine halbe Stunde! Ist doch irre!
Wir brechen zu einer Mountainbiketour entlang eines Sees auf. Unser Blick richtet sich immer wieder in den Wald, ob sich nicht doch wieder ein Pelzträger zeigt. Aber diesmal lässt sich keiner blicken und wir können umso entspannter die wunderschöne Landschaft genießen. Die Sonne lacht und wärmt, der See schimmert blau und grün. Wunderbar!



Als die Dämmerung hereinbricht, platziere ich meinen Campingstuhl mitten auf der riesigen, nach Wildkräutern duftenden Grasfläche mitten im Tal für eine Sitzung mit Energiemedizin für mich selbst. Ich spüre die enorme Kraft, die von diesen uralten Bergen und der Erde ausgeht. Es ist sehr wertvoll, einmal frei von Ablenkung, von Reizen und dem ständigen Weiterfahren zu sein. In dieser Muße, mich wirklich auf die Umgebung einzulassen und auch die feinen Details wahrzunehmen, entfaltet die Natur ihre volle Wirkung. Nach dieser Pause kehre ich energiegeladen mit vollen Akkus und bester Laune zu Balu zurück.




Banff Nationalpark
Banff und Jasper sind die unbestrittenen Ikonen unter Kanadas Nationalparks. Ursprünglich wollten wir diese beiden Parks erst auf dem Rückweg unserer Westschleife erkunden. Doch dann würde uns die absolute Hochsaison treffen, in der alles rappevoll sein soll. Dank verheißungsvoller Wettervorhersage für die nächsten Tage werfen wir unsere bisherigen Pläne über Bord und beschließen, diese zauberhaften Parks jetzt schon zu bereisen. Auch wenn das bedeutet, dass uns noch tiefgefrorene Seen und deutlich mehr Schnee erwarten als im Juli. Aber so ist es eben in diesem Jahr, wir fahren dem Winter scheinbar immer hinterher.
Im Banff Nationalpark begrüßen uns nicht nur Dickhornschafe, sondern auch noch eine ganze Horde von drolligen Erdhörnchen. Diese kleinen Kerlchen haben sich offenbar schon an die Menschen gewöhnt, denn sie lassen uns für Nahaufnahmen unglaublich dicht an sich herankommen.








Zum beliebten Touristenmagneten Lake Louise keuchen wir mit unseren Fahrrädern die schweißtreibende Strecke den Berg hoch. Kanada hat die konsequente Eigenschaft, dass sich Entfernungen aus verschiedensten Gründen immer in die Länge ziehen – sei es wegen der schieren Weite, wegen der weichen Bodenkonsistenz oder wie in diesem Fall wegen der Höhenmeter. Wir fallen immer wieder darauf rein und denken: Das ist doch schnell gemacht. Nee! Lohnt sich aber!
Der petrolfarbene See präsentert sich uns wie ein Kunstwerk: Die Oberfläche ist zum Teil noch dekorativ mit weiß-bläulichen Eispartien benetzt. Der See wird umrahmt von gewaltigen Bergen und Gletschern, die sich in den bereits getauten Partien des Sees perfekt spiegeln. Und obwohl diese Kulisse einen durchaus frostigen Eindruck macht, ist tatsächlich T-Shirt-Wetter.









Als wir den Rückweg antreten, ziehen plötzlich bedrohlich dunkle Wolken auf. Ich bitte darum, dass es trocken bleiben möge, bis wir zurück am Camper sind. Und tatsächlich: Erst in der Sekunde, als wir die Tür hinter uns schließen, fängt es draußen an zu regnen. Schon wieder Glück gehabt!
Die Zeit des Schauers nutzen wir aus, um unsere Vorräte in einem völlig überteuerten Mini-Supermarkt aufzufüllen. Der Laden nutzt es schamlos aus, dass es in diesem Touri-Hotspot keine Alternative gibt.
Wir steuern Balu auf den legendären Icefield Parkway im Banff Nationalpark. Diese spektakuläre Route schneidet sich mitten durch die ungezähmten Bergketten der Rockies und und verbindet die beiden Nationalparks Banff und Jasper miteinander. Einst war dies der historische Handelsweg der First Nations – eine strategische Ader durch die Wildnis, von der an der Oberfläche heute nichts mehr zu erkennen ist. Es ist jedoch kein Wunder, dass diese Strecke so prädestiniert dafür war, denn sie führt weitestgehend geradeaus und fast frei von Serpentinen durch die massive Bergwelt. Für mich als überzeugten Flachlandtiroler absolut perfekt! So bleiben die Berge schön als beeindruckende Deko an der Seite stehen und ich muss nicht ständig rauf! Geht doch!
Wir passieren den Bow Lake, der über weite Teile noch von einer dicken Eisschicht bedeckt ist, an den Rändern jedoch schon freie Wasserflächen preisgibt, so dass sich darin wunderschöne, glasklare Spiegelungen ergeben. Zum Sonnenuntergang finden wir uns auf einem einsamen Parkplatz ein und machen es uns gemütlich. Gut, dass wir bei einem solch eisigen, verschneiten Umfeld ein so puscheliges Zuhause haben!









Am Vorabend hatte ich noch fest an meine Spikes für die Wanderschuhe gedacht. Aber als ich mich am Morgen auf dem tief verschneiten, rutschigen Trail zum smaragdfarbenen Peyto Lake wiederfinde, hab ich sie dann doch vergessen. So schlittere ich mit gefühlt hunderten von anderen Touristen bis zu diesem nächsten Hotspot. Manche Inder sind sogar in Badelatschen unterwegs. So nach dem Motto: Was in Mumbai gut funktioniert, kann doch hier nicht verkehrt sein. Und als wir uns auf diesem glitschigen, schmalen Pfad aneinander vorbeischieben, frage ich mich, wie voll das hier erst im Sommer sein muss.




Der Mistaya Canyon empfängt uns mit deutlich weniger Menschen und das Eis ist hier bereits vollkommen geschmolzen. Mit brachialer Gewalt donnern die weiß schäumenden Wassermassen durch eine schmale, spektakulär ausgewaschene Felsschlucht. Auf den steinigen Plateaus setzen wir uns ganz nah an den Fluss heran und genießen das wilde, tosende Naturschauspiel.
Auf der Suche nach einem ungestörten Spot für die Mittagspause steuern wir Balu um die scharfe Kurve einer abgelegenen Piste und schrecken prompt einen Schwarzbären auf. Er will wohl nicht mit uns mitessen und verschwindet lieber flugs im dichten Unterholz des Waldes. Ha, schon wieder einen Bären gesichtet! Dieses Mal ein etwas scheueres Exemplar im Kontrast zu den selbstbewussten Grizzlies der letzten Tage.





Als letzten Spot im Banff Nationalpark machen wir einen bewussten Abstecher zum Abraham Lake, weit abseits der stark frequentierten Route. Das eisige Tauwasser der Gletscher und des Schnees hat den See erst zur Hälfte gefüllt. Dafür erscheinen uns die umliegenden Berge doppelt, da ein windstiller Nachmittag wiedermal herrliche Spiegelungen auf die glatte Wasseroberfläche zaubert. Ein visuelles Fest – und das exakt so lange, bis wir mit den unzähligen Fotos fertig sind. Dann frischt plötzlich der Wind auf, die Reflektionen verschwinden im Wellengang, die Sonne verzieht sich und wir verkrümeln uns gemütlich bei Balu. Ich bin wiedermal unendlich dankbar für so ein Wahnsinns-Timing und dafür, immer wieder so schöne neue Dinge auf Reisen zu sehen.






Jasper Nationalpark
Als nächstes magisches Highlight erklimmen wir die Bergstraßen im Jasper Nationalpark. Die Landschaft zeigt sich hier wieder deutlich verschneiter und wir dürfen das imposante Columbia Icefield bei strahlendem Sonnenschein bewundern. Dieses umfasst zwei Gletscher, den Athabasca und den Sasketchewan. Wir machen uns direkt auf den Weg zur Zunge des Athabasca-Gletschers, denn hier kann man bis ganz nah an das Eis heranwandern.
Es ist ein genialer Anblick der uralten Bergstrukturen, des jahrtausendelalten Eises, der biszarren, gefrorenen Formationen auf dem Gletschersee und überhaupt. Ich bin im Fotorausch und meine Kamera im Dauerfeuer. Ich will gar nicht schon wieder so viel Material produzieren, kann aber schlichtweg nicht anders. Und da mich jeder einzelne Drücker auf den Auslöser glücklich macht, gibt das heute wieder eine ganze Menge an Glücksgefühlen! Zur Krönung ergattern wir noch einen der besten Spots auf einem naheliegenden Parkplatz für die Nacht (im Sommer wäre dies ein Ding der Unmöglichkeit) und dürfen diesen fantastischen Ausblick auf die Gletscher von Balu aus genießen.





















Die nächste Etappe im Jasper NP ist besonders durch Wasserfälle geprägt. Der erwachende Frühling mit dem entsprechenden Tauwetter beschert uns ordentliche Wassermassen, die tosend steile Felswände hinabstürzen oder sich in engen Canyons tief in den Stein schneiden.















Bei den Athabasca Falls erreichen wir das Waldbrandgebiet. Hier haben die verheerenden Brände des Jahres 2024 ein riesiges Areal vernichtet. Ein tief berührender, fast surrealer Anblick. Mal stehen die verkohlten Stämme noch aufrecht und man spürt, wie der Wald sich schon bald aus eigener Kraft erholen wird – frisches, leuchtendes Gras und die allerersten Birkentriebe kämpfen sich bereits wieder mutig ans Licht. In anderen Abschnitten dagegen liegen die Stämme wild übereinandergeworfen wie bei einem Mikado. Es erinnert mich zum Teil an den tristen Anblick im Harz, wo Borki so hungrig war und große Waldgebiete zum Absterben gebracht hat.
An einer Stelle wirkt die Szenerie besonders traurig, fast so, als wäre hier ein Reaktorunfall passiert. Ich kann der Natur an diesem Ort von ganzem Herzen nur unendlich viel Kraft wünschen, um wieder auf die Beine zu kommen. Bei einem der Berge finde ich es absurd, dass sogar er verbrannt aussieht. Und dass, obwohl direkt vor seiner felsigen Nase ein wasserreicher Fluss vorbeirauscht. Wie ironisch!









Und dennoch entfaltet dieser ungewohnte Anblick trotz der Zerstörung eine ganz eigene Faszination, weil er die Sehgewohnheiten komplett bricht. Die Strukturen und Farben, die sich daraus ergeben, sind durchaus fotogen. Die Stämme sind nicht einfach nur schwarz verkohlt, sondern sie glänzen in der Sonne oder zeigen sich scheckig wie bei einer Holsteiner Kuh. Leuchtend orangenes Moos und frisches, grünes Gras bilden bunte Farbklekse und beweisen, wie die Natur mit ihrer Lebenskraft sich ihren Raum wieder zurückholt.
In dieser kontrastreichen Landschaft brechen wir zu einer Wanderung auf dem Five Lakes Trail auf. Alle fünf Seen sollen in einem ganz besonderen Türkis oder Smaragdgrün schimmern. Ja, das kann die Gegend wirklich! Die Sonne allerdings versteckt sich nach und nach. Doch genau in dem Moment, als wir das Ufer der jeweiligen Seen erreichen, bricht sie zum perfekten Augenblick wieder zwischen den Wolken hervor und bringt die intensiven Wasserfarben zum Leuchten. Als wir dann beschließen, Feierabend mit der Fotoserie zu machen und uns auf den Rückweg zu begeben, schaltet auch die Sonne ihr Licht schlagartig ab. Wir hätten es wieder nicht besser treffen können! Perfektes Timing!














Wapitis, SChmetterlinge und Bären
Wir nutzen heute ausnahmsweise mal die Annehmlichkeiten eines Campingplatzes im Jasper NP. Dessen schiere Größe lässt uns erahnen, welche Menschenmassen hier im Hochsommer aufschlagen müssen. Gut besucht ist das Areal auch jetzt schon – allerdings von den hier lebenden, stolzen Wapiti-Hirschen. Bei der Anmeldung am Counter bekommen wir mitgeteilt, dass wir auf diese Tiere deutlich mehr achten sollten als auf die Bären. Die Hirsche können wohl ganz schön unbarmherzig austeilen, wenn man ihnen zu nahe kommt. Und tatsächlich tauchen sie auch schon bald vor unserer Nase auf, grasen aber ganz friedlich zwischen den Campern und bewegen sich anmutig durch den verbrannten Wald.



Wir verlassen die beiden berühmten Nationalparks, fahren ein gutes Stück und suchen uns einen einsamen, freien Platz direkt an einem weiten See. Es ist mal wieder Zeit, die Seele baumeln zu lassen: Zeichnen, Gitarre spielen und der Sonne dabei zusehen, wie sie farbenfroh hinter den Bergen versinkt.
Jörg begegnet bei einer Biketour sogar noch einmal unerwartet einer Bärenmutter mit Kind, als er um eine scharfe Kurve biegt. Das Kleine klettert vor Schreck ruckzuck den nächsten Baum hinauf, und die Mutter ist absolut nicht begeistert, dass Jörg ihr im Weg zum Nachwuchs steht. Er sieht zu, dass er gaanz langsam Land gewinnt.




Weil’s so schön ist, bleiben wir noch in dieser entpannenden Gegend. Wir stellen uns mit Balu nur noch einmal um. Dort kommt der Ranger vorbeigefahren und erlässt uns kurzerhand sogar die Parkgebühren. Er lädt uns ein, denn außer uns ist noch keine Menschenseele hier. Die kämen alle erst in zwei Wochen, erzählt er. Sieh an, dann traut sich endlich mal jemand vor die Tür. Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, wo der Kanadier an sich sein Outdoor-Image herhat – in der ganzen Zeit bisher haben wir kaum jemanden draußen rumtoben sehen.
Riesige Baumwurzeln und Stämme säumen das sandige Ufer. Und zwischen den bunten Blumen schwirren einige wunderschöne gelb-schwarze Schmetterlinge umher. Es sind prachtvolle Schwalbenschwänze, deren Symbolik für vollendete Anmut, Würde und innere, unerschütterliche Stärke steht. Als ich diese zarten Tiere fotografiere ist es, als ob die Natur mir zuflüstert, dass es Zeit ist, die eigene, wahre Größe vollständig anzunehmen und leicht und beflügelt in ein absolut freies Leben aufzubrechen. Genau diese wunderbare Frequenz nehme ich mit auf unserem weiteren Reiseweg.





Ab in die Westernkulisse
Wir erspähen sogar noch eine Mama Schwarzbär mit 3 Kleinen. Sind die süß und tapsig! Kurz darauf joggt eine einheimische Dame genau dort entlang, wo die Bärenfamilie gerade noch unterwegs war. Wir sprechen sie an, dass sie bitte aufpassen möge. Da sagt sie doch glatt, sie wohne seit 25 Jahren direkt in der Nähe, habe aber in all der Zeit erst ein einziges Mal Bären gesehen! Und wir halten diese Begegnungen mittlerweile für ein Dauerphänomen.
Die Landschaft verwandelt sich Stück für Stück zusehends zur Wüste – die Berge präsentieren sich braun und fast völlig kahl statt grau und mit dichten Tannen bestanden. Ich finde, in dieser für Kanada ungewöhnlichen Kulisse könnten sie prima einen Western drehen. Sogar der Fluss sieht aus wie der legendäre Rio Grande. Das ist mal eine herrlich willkommene Abwechslung nach all den Wäldern und Gipfeln der letzten Zeit.







In der Nähe von Kamloops stoßen wir überraschend auf eine Geisterstadt – mitten zwischen den silbrigen Wüstensalbeibüschen, deren wilder Duft in der gesamten Gegend intensiv in der Luft schwebt. Der alte Saloon hat leider zu. Kein starker Whisky, kein lautes Klavierklimpern und auch keine zünftige Schlägerei heute.
Ein Ort weiter zeigt sich uns, wie die Kanadier in einer kleinen Siedlung auch sehr schick, modern und designig bauen können. Bisher haben wir auf unseren Wegen fast ausschließlich Holzhäuser gesehen.






Wir entdecken einen wunderbaren Platz zum Übernachten inmitten dieser besonderen Landschaft. Stilecht werfen wir noch den Grill fürs Abendessen an und die Feuerschale für ein knisterndes Lagerfeuerchen. Nachts in der Dunkelheit donnert es auf einmal neben uns. Was ist das für ein Geräusch? Es stellt sich als Hufgetrappel heraus und eine Horde echter Wildpferde galoppiert direkt an Balu vorbei. Das ist ja doll! Ich öffne kurz das Fenster und sage ihnen Bescheid, dass sie gerne morgen bei Tageslicht noch einmal vorbeischauen können. Ich muss laut lachen, als sie es dann am nächsten Tag in der Dämmerung tatsächlich tun. Es verströmt ein zutiefst friedliches Gefühl, wie sie da direkt um uns herum grasen, obwohl sie doch das gesamte, riesige Gebiet zur Verfügung hätten. Aber sie sind wohl einfach neugierig.







Wir bewegen uns weiter in dieser grandiosen Westernkulisse, diesmal in Lilooet. Zu Zeiten des großen Goldrauschs war dies die größte Stadt nördlich von San Francisco. An der alten, historischen Holzbrücke macht es jedenfalls den Anschein, als ob wir unten am Flussufer gleich noch ein paar Glücksritter mit Goldwäscherschüsseln antreffen müssten. Aber niemand da. Sonst hätte ich glatt spontan mitgemacht – so ein kleiner, massiver Nugget als Andenken oder für die Reisekassen, das wär doch was!







Zurück in die Bergwelt
Nach dieser willkommenen Wüsten-Abwechslung führt uns die Strecke erneut in die Vertikale. Die Vegetation nimmt wieder ein tiefes Grün an und wir schwingen uns Kurve um Kurve spürbar in die Höhe. Unser Ziel: Der Joffre Lakes Trail. Eine Route, die drei grüne – natürlich, was sonst? – Bergseen miteinander verbindet. Allerdings war nirgends etwas von der stetigen Steigung auf der gesamten Strecke zu lesen. Und keine Beschreibung erwähnt den finalen Abschnitt des Trails, der fast nur aus nackten, glitschigen Steinen besteht, die es mit bereits ermüdenden Beinen zu erklimmen gilt. Dafür fasziniert diese Landschaft mit mystischen Nebelschwaden an den Berghängen und mit Spanish Moss bewachsenen Nadelbäumen.
Am obersten See angekommen, holt uns erneut der Winter ein, denn es fängt plötzlich an zu schneien. Und das, obwohl die intensive Farbe des Wassers vor uns eigentlich zum Baden einlädt. Isses zu fassen! Ein neugieriger Vogel setzt sich neben uns auf eine Tanne und schaut mit uns zusammen in den Flockenwirbel. Am Ende bleibt uns nichts anderes übrig, als die gesamte Strecke wieder hinunter zu klettern. Ganz schön anstrengend!
In Anbetracht der Vorhersage, dass es heute eigentlich den ganzen Tag in Strömen regnen sollte, haben wir jedoch wieder einmal das beste Timing erwischt. Wir sind nach dem letzten starken Regenguss gestartet und sitzen pünklich zurückgekehrt bei Balu auf der Couch – mit einem heißen Tee und Wrap in der Hand -, als die nächste Wolkenfront ihre Schleusen öffnet.














Whistler: Olympisches und indigenes Erbe
Whistler war einer der Austragungsorte der olympischen Winterspiele von 2010 in Vancouver. Und ein Teil des Gebiets, das im Winter immer noch als ein beliebtes Skigebiet genutzt wird, verwandelt sich regelmäßig im Sommer in einen bekannten Downhillpark. Hier toben sich Mountainbiker auf buckligen Pisten aus und jagen mit wilden Sprüngen über die Rampen.
Wem dieser Adrenalinrausch noch nicht genügt, der kann sich mit einem Bungeeseil auch von einer Brücke hinab zu einem Fluss stürzen oder sich ein paar ausrangierte, kostenlose Skier schnappen und auf die nächste Abfahrtssaison warten. Action hat hier also immer noch ein Zuhause.












Whistler hütet aber auch noch ein andere Erbe, denn die Stämme der Region haben sich zusammengeschlossen (anstatt sich wie in der Vergangenheit zu bekämpfen) und das Squamish und Lil`wat Cultural Centre erschaffen. Hier bringen sie Besuchern ihre ursprüngliche und mittlerweile zum Teil wiederkehrende Lebensweise nahe.
Ich frage auch hier in meiner Neugier an, ob sie ihre traditionellen Heilweisen in einem Gespräch offenbaren möchten. Aber sie behalten ihre Scheu und Zurückhaltung bei und das heilige Wissen für sich. Zu lange hat die Zeit ihrer Unterdrückung gewährt. Es bräuchte in diesen Gefilden sicherlich einen längerfristigen Kontakt für einen Vertrauensaufbau. Das habe ich in anderen Kulturkreisen dieser Welt bereits offener erlebt, akzeptiere und verstehe diese Haltung jedoch vollkommen.
Dafür gibt es im Museum andere Schätze zu entdecken. Und das, obwohl ich sonst so gar nicht an Museen interessiert bin. Die Medizinleute dieser Stämme wurden damals für 12 Jahre isoliert in die Berge gesandt, um die rohen Energien und die ungezähmte Kraft der Natur in sich aufzunehmen bis sie selbst diese Stärke verkörperten. In dieser Zeit haben sie pro Jahr nur zwei Handvoll Bergziegenwolle zurück ins Tal. So wurde den Ziegen in der eisigen Höhe nicht kalt, sie konnte im Schnee überleben und kein Tier musste für diese Wolle sterben. Über die 12 Jahre war am Ende so viel Wolle zusammengekommen, dass ein wärmender Poncho für diesen neuen Medizinmann daraus gewoben werden konnte. Auch gefischt wurde nach nur nach dem realen Bedarf, nicht im gierigen Überfluss.
Für kunstvolle Bastkörbe oder Raumtrenner wurde einzelnen Zedern gezielt ein Teil der Rinde abgezogen. Dies durfte streng limitiert nur einmal pro Generation geschehen, damit der Baum überleben konnte. Diese Marker kann man im Wald heute noch sehen. Diese Bäume gelten als kulturell modifizierte Bäume (CMTs), womit die First Nations einen Beweis für ihr damaliges Land erbringen und gegenüber der Regierung reklamieren können.
Bei allem, was der Natur entnommen wird, wird vorher um Erlaubnis gefragt und v.a. Tabak als Ausgleich dargebracht. Der Erde wurde in tiefer Dankbarkeit begenet, statt ihre Gaben als selbstverständlich anzusehen. Werden einzelne Wurzeln einer Zeder verwendet, gilt das verwendete Produkt als Tochter des Baumes. Sogar Kanus wurden als lebendige Wesen angesehen. Vor dem ersten Zu-Wasser-Lassen wurde es gesegnet und das Leben in das Holz wieder feierlich eingehaucht.
Jeder einzelne Tanz hat eine spirituelle Bedeutung, jedes Tier und jede Pflanze. Alles ist Teil eines großen Ganzen, alles besitzt eine unsterbliche Seele und alles steht in einer lebendigen Wechselwirkung zueinander.
Was ich beachtlich finde, ist, dass die Stämme ihren Nachkommen nun wieder ihre ursprüngliche Sprache, ihre Tänze und ihre reiche Kultur lehren – und sie dürfen dies endlich wieder fei tun! Natürlich will heute niemand mehr im Tipi wohnen oder lediglich in einem Wollponcho durch den kanadischen Winter kommen. Sie leben genauso in dieser modernen Welt wie wir alle. Aber immerhin dürfen die Werte und Traditionen wieder vermittelt werden, damit sie nie wieder in Vergessenheit geraten. Und vielleicht sind es genau diese zeitlosen Werte, die der Welt helfen können, wieder zu ihrer wahren Natürlichkeit zurückzukehren.









farbenfrohes Squamish
Der Küstenort Squamish, Heimat einer der beiden Stämme des Cultural Centre, wird farblich deutlich belebt durch bunte Wandmalereien mit zum Teil indigener Symbolik. Hier eröffnet sich uns auch der allererste Blick auf den Pazifik. Doch da wir uns hier noch in einer geschützen Bucht befinden, will sich das Gefühl von einem weiten, wilden Ozean bisher nicht einstellen. Das kommt noch!














Sonne satt auf Vancouver Island
Wir nehmen die allerletzte Autofähre des Tages nach Vancouver Island und erreichen die Insel erst nach Mitternacht. Im ersten Tageslicht nehmen wir die Ostküste unter die Lupe und entdecken zerlöcherte Felsen, die einem Schweizer Käse ähneln, bunte Seeanemonen in Gezeitenpools und eine noble Nachbarschaft, die auch mal ihre Vorgärten aufgeräumt hat, was man nicht von allen in diesem Land behaupten kann.
Im Rest des Landes wird scheinbar von nicht wenigen Hausbewohnern alles, was nicht mehr gebraucht wird, aus dem Fenster geschmissen. Der Schnee des Winters mag das noch gnädig überdecken. Doch sobald es dann im Frühjahr taut, liegt’s halt im Vorgarten und wird nicht mehr weggeräumt. Oft warten auch mehrere Oldtimer vor sich hin rostend darauf, dass ihnen vielleicht irgendwann noch ein Ersatzteil entnommen wird. Ansonsten kann ich mir diese serienmäßige Sammelleidenschaft von Zeugs vor dem Haus nicht erklären. Sie hat sich jedenfalls von Ost bis West konsequent durchgezogen.







Verwunschenes Cedar Grove
Als wir weiter ins Inland von Vancouver Island vordringen, bietet sich mit Cedar Grove ein ganz neues Landschaftsbild. Hier wächst ein Wald aus über 800 Jahre alten Zedern. Keine Kettensäge ist ihnen bisher zu Leibe gerückt und so haben sie nicht nur ein beachtliches Alter, sondern auch eine schwindelerregende Höhe und eine mächtige, tief zerfurchte Rinde entwickelt. Endlich mal ein ordentlicher Wald und nicht wie sonst, wo durch forstwirtschaftliche Bearbeitung nur noch spillerige Bäume herumstehen. Ein Holzbohlenpfad lässt uns zwischen den Giganten hindurchwandeln.
Die Sonne wird durch das Blätterdach gefiltert und es scheint ein dämmriges Licht bis zum Waldboden hindurch. Diese verwunschene Stimmung wird bestärkt durch die moosbehangenen Äste, die zeigen, dass Feuchtigkeit diese Gegend dominiert.










Abtauchen ins Inselinnere
Nicht nur dem Cedar Grove, sondern dem ganzen Inselinneren sieht man dieses Klima an. Die feuchte Pazifikluft bleibt in den hohen Inselbergen hängen und geht entweder als Nebel oder Regen nieder – sogar ein Regenwald gedeiht hier. Doch wir haben Glück und es ist trocken.
Die Präsenz der First Nations ist hier deutlich größer als auf dem Festland und überall sind Totempfähle aufgestellt und indigene Kunst zu finden.







Am Pazifik angekommen!
Nun haben wir es von Ost nach West geschafft: Wir sind einmal quer durch Kanada gefahren! Vom Atlantik zum Pazifik. Hier in Long Beach auf Vancouver Island nutzen wir es aus, dass der Strand seinem Namen alle Ehre macht und genießen die angenehmen Temperaturen bei einem ausgedehnten Strandspaziergang. Fasziniert schauen wir den Surfern in der Brandung bei ihrem Spiel mit den Wellen zu.










Radtour am Strand
Das Küstenstädtchen Tofino empfängt uns mit einem unbeschwerten Surfercharme, entspannten Läden für das passenden Equipment und insgesamt einer durchweg gelassenen Atmosphäre.







Die weiten Sandstrände laden förmlich zu einer Radtour ein, da die feste Konsistenz des Bodens uns ermöglicht, direkt an der Brandung entlangzufahren. Sogar entlang der Hauptstraße führt ausnahmsweise einen Radweg – eine echte Seltenheit in diesem Land, wo praktisch jeder Meter mit dem Auto zurückgelegt wird.
Auf den Felsen direkt an der Küste wurde sichtlich in Architektur investiert. Hier thronen schicke, exklusive Anwesen, von denen die Bewohner den unverbauten Blick auf Wind und Wellen aus erster Reihe genießen können.









Whale Watching auf Vancouver Island
An der Pazifikküste ziehen jährlich zu dieser Jahreszeit – wir haben Anfang/ Mitte Juni – tausende Grauwale auf ihrer Route Richtung Alaska vorbei. Dementsprechend ist für uns heute Waltag und wir begeben uns von Tofino aus mit einem Zodiac – einem schlauchbootartigen Wasserflitzer – auf die Suche. Schon beim Verlassen der geschützten Bucht tobt eine Gruppe Seeotter im kühlen Nass. Mann, sind die niedlich! Deutlich größere Kaliber bekommen wir kurz darauf mit Seelöwen auf einer felsigen Insel zu Gesicht. Besonders die extrem gut genährten Männchen wirken herrlich ungelenk, wenn sie sich mühsam über die großen Steine und die Seelöwendamen robben.
Zwischendurch gibt der Skipper ordentlich Speed und wir hüpfen über die Wellen, die Nase im Wind. Das macht richtig Spaß und fühlt sich an wie in einem Fahrgeschäft auf dem Jahrmarkt. Da mir Fahrten auf dem Wasser schonmal den Magen flau werden lassen können, bin ich unendlich froh, dass heute wenig Wind geht und das Meer relativ ruhig bleibt. Das habe ich für heute genau so bestellt! Danke, dass das Universum geliefert hat und ich mein Frühstück intus behalten darf! Dazu scheint uns die Sonne warm auf den Pelz. Ein ziemlich dick eingepackter Pelz, denn falls wir bei der hohen Geschwindigkeit doch aus dem Boot purzeln sollten, wurden wir in quietschorangene, dicke Überlebensanzüge gesteckt. Zu Recht, denn der Pazifik ist wirklich arschkalt!
Zur Krönung der Tour fahren wir eine Bucht an, in der die Grauwale gern futtern und im Sommer sogar heimisch sind, statt nur vorbeizuziehen. Wir bekommen gleich mehrere der gigantischen Tiere zu sehen. Sie kündigen sich mit ihrem zischenden Blas an, präsentieren uns ihren dunklen Rücken und scheinen uns zum Abschied fast mit ihrer mächtigen Schwanzflosse zuzuwinken. Ein fantastisches Erlebnis!











Uns gefällt es in Long Beach und wir verlängern unseren Aufenthalt. Da wir den Frühling übersprungen haben und gleich zum Sommer übergegangen sind, genießen wir freudig die wärmenden Sonnenstrahlen am Strand und den Anblick der entspannten Surfer, wie sie geschmeidig die Wellen abreiten. Dabei rösten wir ganz unbemerkt vor uns hin. Da schafft am Ende auch ein Bad im kalten Pazifik leider keine Abhilfe…

Raue Küste in Ucluelet
Ein weiterer, sehr relaxter Ort auf der Insel ist Ucluetet. Dieser Spot ist spürbar weniger touristisch und wir finden die unaufgeregte Atmosphäre ganz fantastisch. Überhaupt verströmt Vancouver Island eine ganz besondere Ausstrahlung. Die reine Optik mag Ähnlichkeit zur Ostküste Kanadas haben, aber diese Region hier – und die Einheimischen bestätigen dies mit überzeugtem Kopfnicken – besitzt einfach mehr Magie und mehr Seele. Alles wirkt noch ein Stück wilder und ungezähmter.








Dieses Wilde und Ungezähmte dürfen wir auf verschiedenen Wanderwegen an der zerklüfteten Küste Ucluelets bestaunen. Hinter jeder Biegung, an jedem Aussichtspunkt fasziniert die Landschaft auf seine ganze eigene Weise. Und die windschiefen Zedern bilden im gleißenden Gegenlicht einen tollen Kontrast.
Genauso robust wie die Landschaft scheinen auch die Menschen hier zu sein. Denn wir lernen eine junge Künstlerin kennen, die mit ein paar Gleichgesinnten in einem urigen Atelier wohnt, das ausschließlich mit einem riesigen Ofen beheizt werden kann. Und die ganze Truppe geht selbst im tiefsten Winter surfen. Mich friert’s schon beim bloßen Zuhören.








Bunte Städtchen auf Vancouver ISland
Über das bergige Inselinnere kurven wir zurück auf die Ostseite der Insel. In Chemainus haben lokale Künstler die Stadtgeschichte großflächig auf Wandgemälden verewigt. Die bunten Holzhäuser erinnern mich an Hawai’i. Sie tragen hübsch bunte Farben und bei manchen haben sie sich sogar mit der Gartengestaltung Mühe gegeben. Ein seltenes Phänomen in diesem Land, in dem der Vorgarten eher ein unscheinbares Dasein fristet.
Am Ufer finden wir nicht nur einen hübschen Platz zum Übernachten, sondern treffen auch einen deutschen Auswanderer an. Der Trucker gibt einige Stories zum Besten, auch über die Kanadier und wie er sie sieht und versteht. Da wir dieses Völkchen leider bisher nur in oberflächlichen Gesprächen kennengelernt haben, eröffnen uns seine unterhaltsamen Geschichten einen Einblick darin, wie die Menschen hier so ticken.










Duncan – The City of Totems genannt – ist überall im Stadtkern mit unzähligen Totempfählen gespickt. Das Städtchen beherbergt die weltweit größte, öffentlich ausgestellte Sammlung. Verschiedene Künstler aus unterschiedlichen indigenen Stämmen haben hier ihr Kunsthandwerk ausgeübt. Manche erzählen persönliche Familiengeschichten, andere sprechen in großen Symbolen von Natur, den Ahnen und den großen Übergängen des Lebens. Kleine Tafeln erklären die jeweilige Bedeutung.
An einem der Pfähle nimmt der Künstler die Transformation im Leben zum Thema: Ganz zuunterst steht ein einsamer Mann auf Visionssuche. Ein mächtiger Adler hebt ihn empor, trägt ihn durch die Lüfte und bringt ihn verwandelt zurück. Mit seinen Schwingen umschließt er den Suchenden schützend. Der Adler steht hier für Weisheit, Weitblick, Heilung und die Kraft, die uns durch Zeiten des Wandels begleitet. Ein starkes Bild für Neubeginn – nicht als schneller Neuanstrich, sondern als Wiedergeburt und als zweite, kraftvolle Chance, dem eigenen Leben eine neue Richtung zu geben.
Genau dieses Prinzip des echten Neubeginns ist es, was mich auch in meiner Arbeit mit Menschen fasziniert – das tiefe Loslassen des Alten, um Platz für das hilfreiche Neue zu schaffen. Mit diesem diesem eindrucksvollen Bild im Kopf verabschieden wir uns von dieser Stadt.









Weiter geht es nach Victoria, der größten Stadt auf Vancouver Island. Wir quartieren uns in einer ruhigen Nachbarschaft ein und setzen darauf, dass es niemanden stört. Beim Schlendern durch die Innenstadt entdecken wir sogar seltene Altbauten. Zu unserer Überraschung macht auch ein Reh einen Stadtbummel. Es bleibt am Straßenrand stehen, schaut brav erst nach links und rechts, wartet ein Auto ab und spaziert dann in aller Seelenruhe über die Kreuzung.
Am Yachthafen landen mehr Wasserflugzeuge als Boote an und es schippern kleine, bunte Wassertaxis durch das Hafenbecken. Wir nehmen einen Drink in der warmen Abendsonne und beobachten eine lange Schlange, die statt auf Fischbrötchen geduldig auf ihre Poutine wartet. Das sind Pommes mit brauner Sauce und wahlweise weiteren Zutaten. Das ist tatsächlich das Nationalgericht hier. Im Ernst: Pommes mit Sauce! Das erklärt die gesamte „Kulinarik“ des Landes. Wegen der imposanten Natur lohnt es sich definitiv herzureisen, fürs Essen nicht…








Die Südküste
An der Südküste der Insel entdecken wir mehrere Strände mit Highlights wie kleinen Wasserfällen, die direkt auf den Strand stürzen und verwunschenen Wurzeltrails, bei denen wir die Flip Flops lieber bei Balu lassen. An einem dieser Strände wollen wir übernachten und werden sofort angesprochen, dass der letzte freie Spot schon bezahlt sei und die Camper bereits abreisen mussten. Wunderbar, das passt ja wieder!







Unsere kanadischen Nachbarn laden uns zum gemeinsamen Lagerfeuer ein. Bisher haben wir die Einheimischen als sehr freundlich, aber doch zurückhaltend kennengelernt. Diese Exemplare hier haben aber bereits den ein oder anderen Cocktail intus und sind in bester Plauderlaune. Wir lauschen angeschickerten Geschichten, manchen davon auch mehrfach, da sie im Rausch eben nicht mehr so ganz genau wissen, welche Story sie schon zum Besten gegeben haben. Aber es ist lustig und wir heizen odentlich Holz durchs Feuer. Kaum ist alles verbrannt, wird es im Küstenwind schlagartig frisch und wir verkrümeln uns ins Warme.
Auf der Rücktour durch das Inselinnere schwirrt auf einer Anhöhe, von der wir herrlich die Landschaft überblicken können, endlich der erste Kolibri um uns herum. Erst schaut er neugierig durch das eine Fenster, dann durchs nächste und draußen surrt er direkt vor unserer Nase herum. Ach herrlich! Ich mag Kolibris!




1:1-Mentoring von unterwegs
Die Eindrücke und Naturimpulse meiner Weltreise sowie die besondere Energie von Kraftorten fließen ganz natürlich in meine Arbeit ein. Aus dem Camper heraus begleite ich Unternehmer:innen und starke Persönlichkeiten im ortsunabhängigen 1:1-Mentoring (via Videotelefonie) dabei, innere Begrenzugen zu lösen und das eigene Potenzial für mehr Freiheit und Souveränität zu entfalten.
Um meine eigene Freiheit im Reisealltag zu wahren, ist dieser Raum für die exklusive Zusammenarbeit auf wenige Plätze limitiert.

