Vancouver – Summer in the City
Das wunderbare Inselflair saugen wir für einen letzten Tag in der Cowichan Bay auf – gleiten mit dem SUP durch das glitzerne Wasser, springen in die kalten Fluten und lassen uns in der Sommersonne wärmen. Der Abschied von diesem magischen Fleckchen Erde fällt uns schwer, doch das nächste Abenteuer ruft bereits. Während wir mit der Fähre wieder aufs Festland übersetzen, taucht der Sonnenuntergang den Himmel in ein buntes Farbenmeer. Vancouver erwartet uns.






Hier in Vancouver empfängt uns der Sommer mit stolzen 30 °C, so dass wir erst einmal in einer klimatisierten Shoppingmall entschwinden, bevor wir nachmittags in eine völlig andere Welt eintauchen: das Museum der Anthropologie. Die beachtliche Sammlung von Artefakten indigener Kulturen aus aller Welt, insbesondere der First Nations, macht uns neugierig. Die Geschichte dieser Kulturen und deren Handwerkskunst wird hier wieder lebendig. Umso schöner, dass ich auch hier die Erlaubnis bekomme, diese Ästhetik zu fotografieren und die Bilder mit Dir zu teilen.






Später tauschen wir das Auto gegen die Fahrräder, um das Zentrum der Stadt zu erkunden. Nach der langen Zeit in der Natur ist das pulsierende Großstadtgewusel erst einmal ein echter Kontrast. So viel Verkehr um uns herum. Wir radeln durch hübsche, begrünte Viertel mit stattlichen Häusern, bis wir das Herz der Innenstadt erreichen.
Es erwartet uns ein faszinierendes Potpourri an Eindrücken: Ein belebter Sandstrand mitten in der Stadt, Public Viewing zur Fußball-WM, moderne Glas-Wolkenkratzer direkt neben historischen Backsteinbauten und ein geschäfttiger Hafen, in dem im Minutentakt die Wasserflugzeuge landen. Vancouver zeigt sich mit allen Facetten – von den hippen Cafés mit stolzen Metropolen-Preisen bis hin zu den schattenhaften Ecken in Chinatown. Wir setzen lieber den Fokus auf die inspiriendenden, abwechslungsreichen und sehenswerten Seiten dieser Stadt und lassen uns von ihrer urbanen Dynamik weiter treiben.





















Powwow in Kamloops
In Kamloops findet jetzt im Juni das größte Powwow in Westkanada statt – ein Ereignis, das wir unter gar keinen Umständern verpassen wollen. Dieses generationenübergreifende Fest der First Nations bringt zahlreiche Stämme zusammen, um ihre Kultur, ihre Gemeinschaft und das Leben zu feiern. Die Offiziellen haben mir die Erlaubnis erteilt, meine fotografischen Eindrücke hier zu teilen.
Die Musik, die die traditionellen Tänze begleitet, zieht einen augenblicklich in den Bann. Den Takt geben die Trommlergruppen vor. Mit einer unfassbaren Wucht schlagen sie gleichzeitig auf die großen Trommeln ein – ein Rhythmus, der nicht nur zu hören, sondern als tiefes Vibrieren im ganzen Körper zu spüren ist. Dazu erhebt sich ein extrem kraftvollen, ritueller Gesang. Mehrere Trommlergruppen stehen in einem Wettbewerb zueinander, bei dem eine Jury am Ende das beste Team kürt.
Was uns hier optisch geboten wird, sprengt jede Vorstellungskraft: Jede einzelne Regalia – das traditionelle, oft in monatelanger Handarbeit gefertigte Festgewand – ist ein absulutes Meisterwerk an Ästhetik. Wenn hunterte Tänzer gleichzeitig den Rasen betreten, entsteht ein surreal farbenfrohes, pulsierendes Meer aus Bewegung: wippende Federn, feinste Perlenstickereien, wehende bunte Fransen und stolze Umhänge. Ein Tänzer trägt sogar das Fell eines Grizzlies inklusive Kopf und Klauen – eine majestätische und absolut kraftvolle Erscheinung. Die Dichte an Details , Mustern und Farben ist so enorm, dass das Auge vor Ort kaum hinterherkommt und man selbst auf den Fotos immer wieder neue, faszinierende Feinheiten entdeckt.






Bergseen und frische Spuren
Von Kamloops aus zieht es uns weiter zum nächsten großen Fixpunkt unserer Route – dem berühmten Rodeo in Calgary. Da der Termin steht, nutzen wir die Zeit dazwischen für das, was wir am meisten lieben: die pure Natur.Am idyllischen Westufer des Arrow Lake schlagen wir für ein paar Tage unser Lager auf. Endlich einmal etwas länger an einem Ort verweilen! Wir packen das SUP und unsere Feuerschale aus und genießen die absolute Stille der kanadischen Wildnis.
Von hier aus starten wir eine Mountainbiketour, die uns schlagartig wieder die Wildheit dieser Region bewusst macht: Über mehrere Kilometer hinweg folgen wir frischen Bärenspuren auf der noch feuchten Piste. Der Bär muss hier vor wenigen Augenblicken erst entlanggelaufen sein. Dazu sind Fährten von Rehen und Elchen zu erkennen. Das muss ja eine ganze Tiergesellschaft gewesen sein, die hier einen Spaziergang gemacht hat. Auch wenn sich keines davon blicken lässt, setzen wir ehrfürchtig unsere Tour fort.




Boxenstopp am Arrow Lake
Am Ostufer des Arrow Lake bei Nakusp können wir direkt auf dem Sandstrand stehen. Es ist so schön hier, dass wir sogar nochmals ein paar Tage an ein und demselben Fleck bleiben. Das hatte auf dieser Reise aufgrund der großen Distanzen bisher echten Seltenheitswert. Für mich war diese Pause absolut überfällig, da das ständige Weiterreisen irgendwann anstrengend wird. Ich finde es extrem wichtig, zwischendurch länger an einem Ort zu verweilen, um die vielen Eindrücke und Fotos in Ruhe zu verarbeiten. Das hat sich auf früheren Reisen bisher immer ausgezahlt.





Hotsprings und Bärenglück
Bei ein paar Hotsprings in der Umgebung machen wir Halt und verbrennen uns in den heißen, trüben Pools fast die Beine. „Kommt Kannibalen, das Essen ist gar!“ Direkt nebenan rauscht ein wilder, eiskalter Fluss entlang, in dem wir uns wie nach einer Sauna wieder herunterkühlen können. Das Hin und Her mit den Temperaturen hat auf jeden Fall einen sehr entspannenden Effekt.
Auf dem Weg zu unserem Übernachtungsspot im Wald kommt uns völlig überraschend ein Schwarzbär entgegen. Er läuft neben der viel frequentierten Piste entlang und dreht auf der Suche nach Ameisen oder sonstigem Kleingetier einen Stein nach dem nächsten um. Er blickt nur einmal auf, als wir immer wieder mit Balu zurücksetzen, um diese Begegnung weiter zu genießen. Ich könnte ihn aus dem Fenster fast streicheln, so nah ist er uns. Irgendwann wird es ihm doch zu bunt und er biegt in den Wald ab. Ich sage noch: Das ist doch genau unsere Richtung, wo wir gleich hinwollen. Und richtig! Kaum an unserem Spot angekommen, schlendert der pelzige Geselle seelenruhig über den Waldweg. Also Bärenglück haben wir auf dieser Reise definitiv, das muss man uns lassen!





Die Prärien haben uns wieder
Und dann gelangen wir wieder in die Region um Banff, die wir bereits kennen. Auf den markanten Bergketten liegt nur noch auf wenigen Gipfeln Schnee. Der Rest ist bereits weggetaut. Da hatten wir bei unserer Nationalparkrunde vor einigen Wochen die absolut richtige Entscheidung getroffen. Durch die weiße Deko auf dem grauen Fels sah alles noch deutlich markanter aus. Und auch hier sehen wir wieder einen Bären von weitem. Hm, wie machen das denn die anderen, dass sie praktisch nie einen zu Gesicht bekommen?
Das eigentliche Ziel ist es aber, wieder in die Prärien zu gelangen. Auf einer weitläufigen, idyllischen Ranch dürfen wir übernachten und wir entfachen stilecht ein Feuer für den Grill. Reittouren bieten sie hier auch an, aber im Schrittempo durch die Landschaft zu juckeln, ist mir als ehemalige Reiterin dann doch etwas zu langsam.









WEtterdrama in Calgary
Als wir nach Calgary reinfahren, bringt ein Regenschauer willkommene Abkühlung. Da wir in Kürze vorhaben, von hier aus nach Hause zu fliegen, wollen wir hier bei einem Anbieter vorbeischauen, bei dem man seinen Camper für einige Zeit gesichert unterstellen kann. Auf dem Weg dorthin kommt mir der Gedanke, dass wir dies vielleicht schon einmal früher hätten anfragen sollen. Nicht, dass schon alles belegt ist.
Aber das Gefühl ist positiv und wir ergattern tatsächlich trotz langer Warteliste einen Platz, da Balu deutlich kompaktere Maße aufweist als die meisten kanadischen Modelle. Und die Bürokraft kommt sogar aus München und wir sprechen mal wieder Deutsch mit Menschen die wir als Einheimische eingestuft hätten. Kanada ist eben ein echtes Einwanderungsland!
Auf dem Weg zum Abendessen beim Inder werden wir von einer riesigen Gewitterfront verfolgt. Es soll hier auch im Sommer zu enormen Hagelfällen kommen. Manchen Fahrzeugen sieht man das anhand ihrer vielen tiefen Dellen deutlich an. Nee, das wollen wir nicht. Das mache ich der überdimensionalen Wolkenfront klar und siehe da, in dem Moment bricht das Dunkle auf und ein goldener Lichtstrahl fällt in Herzform heraus und bescheint die Landschaft. Von diesem Wolkenloch aus fällt nach und nach die ganze dramatische Wand in sich zusammen, wir bekommen nur einen kleinen Regenschauer ab, dann ist es wieder trocken und der Himmel sieht nur noch dekorativ aus. Ist ja irre!




Calgary Stampede – weltgrößtes Rodeo
Manchmal wirft Dich das Reisen in Welten, die gegensätzlicher nicht sein könnten. In dieser Woche pulsiert Calgary im Rhythmus des größten Rodeofests der Welt – dem legendären Calgary Stampede – dem größten Rodeofest der Welt. Für uns die perfekte Gelegenheit, die Kulisse der glänzenden Wolkenkratzer in Downtown hinter uns zu lassen und in ein buntes, quietschbuntes Konglomerat aus Kirmes, Landwirtschaftsausstellung und Wild-West-Kultur einzutauchen.
Und hier probieren wir nun doch einmal die ominöse Poutine. Dieses Gericht aus Pommes, Sauce und Cheese Curds sieht im Original erstaunlicherweise sogar besser aus als auf Fotos – das ist mal eine absolute Seltenheit! Kulinarisch bleibt es zwar ein faszinierendes Phänomen, wie es so etwas zum Status eines Nationalgerichts geschafft hat, aber es stärkt uns für das eigentliche Event.










Auf einer riesigen Messe wie dieser liegen Licht und Schatten oft nah beieinander. Wenn man mit einem geschärften Bewusstsein für das Leben und die Natur durch diese Agrar-Ausstellung geht, schluckt man an manchen Stellen trocken. Das Zeigen von Nutztierhaltung in engen Metallpferchen – was auch noch als Maßstab für gesunde Lebensmittel propagiert wird – erinnert mich unweigerlich daran, wie viel Entwicklungspotenzial der Mensch im Umgang mit Tieren und der Natur noch vor sich hat.
Doch das Blatt wendet sich, als wir die Arena für die Rodeoshow betreten. Hier wird die traditionelle Rancharbeit lebendig – und meine Begeisterung ist sofort zurück.
Es ist faszinierend zu sehen, mit welcher Präzision und Schnelligkeit die Quarter Horses agieren. Full-Stops aus vollem Galopp, blitzschnelle Spins auf der Stelle und eine Rinderarbeit, die pure Telepathie zwischen Mensch und Tier vermuten lässt. Diese Pferde sind so brillant auf ihre Aufgabe gezüchtet und trainiert, dass sie die Bewegungen der Rinder vorausahnen und eigenständig mitdenken. Ein faszinierendes Zusammenspiel von Fokus und Instinkt.






Bowden Daze – Rodeo zum Anfassen nah
Während die riesigen Tribünen in Calgary uns zu weit weg vom Geschehen waren, finden wir das echte, ungefilterte Wild-West-Gefühl ein Stück nördlich, im beschaulichen Örtchen Bowden. Hier erleben wir ein ländliches, aber hochprofessionelles Rodeo – und das Beste: Wir können mit unserem Camper direkt auf dem Gelände übernachten.
Die Action ist zum Anfassen nah, als die Stiere und Pferde in irrem Tempo buckeln und ihre Reiter abwerfen wollen, die Cowgirls um die Fässer jagen und Rinder mit Lassos eingefangen werden. Als Zuschauer werden wir unweigerlich in den Bann gezogen. Es ist eine Show gewordene Darbietung der täglichen, harten Arbeit auf der Ranch.
Hufe donnern, Staub wirbelt durch die Luft, Pferde wiehern und durch über die Lautsprecher wird das gesamte Geschehen kommentiert. Die traditionellen Hilfsmittel beim Rodeo, bei denen den Pferden und Stieren die Geschlechtsteile mit Riemen abgebunden werden, damit sie überhaupt buckeln, sind aus meiner Sich allerdings kritisch zu hinterfragen. Warum sollten Tiere leiden, damit sie dem Menschen als Unterhaltung dienen? Dennoch bleibt der tiefe Respekt vor der sportlichen Leistung der Cowboys und -girls und der unbändigen Energie der Quarter Horses, die hier einmal mehr über sich hinauswachsen.
Ein wilder, lauter und zutiefst beeindruckender Einblick in eine ganz eigene Kultur!









Eine Nacht auf der Ranch
Der Weg führt uns weiter durch endlose, weite Felder – mal in sattem, lebendigem Grün, mal übersät von leuchtend gelben Rapsblüten, die sich bis zum Horizont erstrecken. Schließlich landen wir auf einer einsamen Ranch, wo wir mit unserem Camper für die Nacht bleiben dürfen.
Es ist diese Art von Begegnung, die das Reisen magisch macht: Die Gastgeber laden uns auf ein Glas und zum Plaudern ein, denn sie teilen dieselbe Leidenschaft fürs Unterwegssein. Sie erzählen auch vom Leben in dieser Abgeschiedenheit, von der Feldarbeit und wie hier durch ihre eingewanderten Vorfahren alles begonnen hat. Als wir dann nachts am Rande eines Feldes stehen, umgibt uns eine absolute, tiefe Stille.






Wüstencanyons – Das kanadische Geheimnis
Wir wollen weiter zum Dry Island Buffalo Jump. Die Landschaft verändert sich, wird wüstig und wechselt sich je nach Blickwinkel mit leuchtendem Grün ab. Wir parken unseren Camper direkt oben an der Klippe für die Nacht. Unten im Tal drückt die Hitze, während wir oben den Weitblick genießen – ein Ort wie aus der Zeit gefallen.


Und dann erreichen wir den Horsethief Canyon – ein Anblick, der schlicht unglaublich ist. Ich frage mich unwillkürlich: Warum in aller Welt kennt man von Kanada eigentlich nur Bilder von Bergen, Seen und Wäldern? Warum zeigt niemand, dass es auch solche Landschaften hier gibt?
Der Kontrast ist atemberaubend: Auf beiden Seiten oberhalb des Canyons ziehen sich leuchtende Rapsfelder entlang, und direkt darunter öffnet sich eine spektakuläre, erdige Wüste aus gestreiftem Sandstein. Wir wandern stundenlang in der Schlucht und über die Felsen, lassen uns treiben und entdecken überall faszinierende, kleine Details im Gestein.
Den Tag beenden wir mit einem stillen Highlight: Wir übernachten direkt am Rand des Canyons und beobachten, wie die Abendsonne das geschichtete Gestein in ein tiefes, goldenes Licht taucht.









Drumheller und die Urzeit-Riesen
Nach der Einsamkeit der Canyons tauchen wir in eine völlig andere, faszinierende Welt ein: Drumheller. Hier dreht sich alles um die Giganten der Urzeit, denn die Region gehört zu den reichsten Dinosaurier-Fundstätten der Erde. Die ganze Stadt feiert dieses Erbe mit einer gehörigen Portion Charme und Humor. Überall begegnen uns die Urzeit-Riesen: Ein überdimensionaler Dino ragt in den Himmel, Wandgemälde zieren die Häuserzüge, und an jeder Ecke stehen Skulpturen – manche thronen frech auf Dächern, andere schauen neugierig aus Fenstern heraus.






Natürlich lassen wir uns auch das berühmte Royal Tyrrell Museum nicht entgehen. Es gilt als eines der weltweit führenden Museen für Paläontologie, und der Besuch lohnt sich absolut. Die Ausstellung ist unglaublich gut und modern aufbereitet. Wir schlendern zwischen gigantischen, echten Skeletten und beeindruckenden Nachbildungen und staunen über die Dimensionen dieser Tiere. Ein echtes Abenteuer für das innere Kind!







Die Macht der Wüste
Wer an Kanada denkt, denkt an dunkle Wälder, eiskalte Seen und tiefen Winter. Dass wir hier bei mittäglicher Brüllhitze von über 30 Grad stehen, hätte ich im Leben nicht gedacht. Kein Lüftchen weht. Die Luft steht wie eine Wand. Ich kippe vor Hitze zwar fast aus den Latschen, aber als wir den Horseshoe Canyon betreten, ist jeder Schweißtropfen vergessen.
Wir klettern erneut über imposante, gestreifte Sandsteinfelsen. Es ist überwältigend, was die Natur hier über Jahrmillionen erschaffen hat: Zuerst haben sich Sedimentschicht für Sedimentschicht abgelagert und dann haben Wind und Wasser diese Formen aus dem Stein geschliffen. Nach dieser Hitzeschlacht gibt es nur noch ein Ziel: Überleben im Schatten. Zurück am Camper vegetieren wir im Schatten von Balu einfach eine Weile vor uns hin, bis die ärgste Hitze nachlässt. Genau das ist eben auch die Freiheit, die ich genieße: Nichts müssen, einfach sein.








Als es abkühlt, ziehen wir weiter und suchen uns einen Stellplatz mitten in der Wüste, direkt neben markanten, aufragenden Felsnadeln. Wildcamping pur, wunderbar! Das Paradoxon: Ausgerechnet hier in der absoluten Trockenheit schwirren plötzlich Heerscharen von Mücken um uns herum. An den feuchten Seen und in den tiefen Wäldern des Landes hatten wir Ruhe – und hier in der Wüste mutieren sie zu echten Plagegeistern. Natur hält sich eben an keine Logik.
Doch die Wüste hat heute Nacht noch ein ganz anderes Kaliber auf Lager. Während der Sonnenuntergang noch hinter einem absolut wolkenlosen Himmel verschwindet, bricht um Mitternacht das Chaos aus. Ein Gewitter donnert um uns herum, wie ich es in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen habe. In absolut allen Himmelsrichtungen blitzt und donnert es gleichzeitig. Der Himmel brennt. Vor dieser rohen Macht der Natur kann man nur demütig werden – auch wenn wir uns drinnen bei Balu sicher und gut geschützt fühlen.
Irgendwann schaue ich in das grelle Licht da draußen und denke mir: So, jetzt reicht es aber auch mal! Und als hätte das Universum das Machtwort verstanden, verzieht sich das Gewitter. Zurück bleibt die absolute, unendliche Stille der Wüste. Zeit zum Schlafen.






Gewitternachwehen und Coyotenbesuch
Bei so einem grandiosen Spot können wir unmöglich einfach weiterfahren. Also verlängern wir und klettern hier noch einmal auf den Felsen herum. Das heftige Mitternachtsgewitter hat allerdings Spuren hinterlassen: Der Boden ist teilweise extrem lehmig geworden und klebt bald in zentnerschweren Klumpen an unseren Schuhen. Ein ordentliches Workout, aber die Aussicht von oben entschädigt für alles – einfach herrlich!
Als hätten wir nicht schon genug Wüstenfeeling bekommen, taucht plötzlich ein Coyote auf. Er schleicht um Balu herum, beäugt den Camper neugierig und lässt sich überhaupt nicht von uns beirren. Ich stehe schließlich fast neben ihm und fotografiere fassungslos, während er in aller Seelenruhe einfach weiter eine Maus jagt. Völlig verrückt und absolut faszinierend!
Wir verabschieden uns nun von dieser wunderschönen Region, denn die Hitze drückt immer noch und wir brauchen dringend Abkühlung. Also steuern wir für ein paar Tage einen See an, um einfach mal die Seele baumeln zu lassen und runterzukühlen.











Wildpferde und Schockfrosten im Fluss
Dann biegen wir auf unsere letzte Etappe ein. Ein Farmer hat uns den Tipp gegeben, noch einmal in Richtung Rocky Mountains zu fahren, weil es dort Wildpferde geben soll. Wir waren ja nun schon zweimal in den Rockies und wollten eigentlich nicht zurück, aber angesichts der anhaltenden Wärme packt uns die Neugierde. Und es lohnt sich. Wir finden einen großartigen Platz direkt an einem Fluss.





Dieser Fluss ist allerdings nicht nur zum Abkühlen da – das ist das pure Schockfrosten! Das ist was für Lachse, aber doch nicht für Menschen! Aber wenn man den ersten Schrecken überwunden hat und erst mal drin ist, geht es erstaunlicherweise doch. Am nächsten Morgen werden wir für den Mut belohnt: Am Waldesrand taucht tatsächlich eine kleine Herde Wildpferde auf. Sie lassen sich von uns überhaupt nicht stören. In aller Seelenruhe kann ich meine Kamera herausholen und sie fotografieren, während sie friedlich im Morgenlicht grasen. Als ob das nicht schon idyllisch genug wäre, gesellen sich kurz darauf noch ein paar freilaufende Kühe dazu. Sie kommen immer näher und beäugen mich neugierig. Ein echter Postkarten-Moment.






König-der-Löwen-Finale
Nach einer ausgiebigen Radtour haben wir dann hier alles gesehen und es zieht uns weiter. Auf der Fahrt wird es plötzlich immer dunstiger. Schnell wird klar: Das ist kein Nebel, das ist Rauch. Ein mulmiges Gefühl schleicht sich ein – fahren wir jetzt mitten in ein Waldbrandgebiet? Ein schneller Blick ins Internet auf eine Karte mit beunruhigend vielen Waldbränden in Kanada bringt Gewissheit. Für unser konkretes Ziel haben wir glücklicherweise freie Bahn.
Wir schlagen unser Lager auf einer Klippe auf. Der Ausblick haut mich komplett um: Wir blicken direkt auf die mächtigen Rockies und hinab auf einen Fluss, der sich durch das Tal schlängelt. Ich fühle mich wie beim König der Löwen – absolut herrschaftlich und frei! Nachts färbt der Rauch in der Luft den Mond in ein leuchtendes Orange.
Auch an diesem Spot radeln wir wieder zum Fluss hinunter, um zu baden. In den nächsten Tagen verzieht sich der Dunst glücklicherweise und die Luft wird von Tag zu Tag klarer. Wir genießen diese letzten Tage in Kanada in vollen Zügen – umgeben von einer Kulisse, wie sie für dieses Land nicht typischer und schöner sein könnte.







Vorläufiger Abschied von Kanada
Jetzt steht nur noch eine letzte Übernachtung auf einer Farm an, und dann geht es auch schon zum Flughafen. Der Rückflug nach Deutschland wartet. Es wird Zeit, zuhause mal wieder „Moin“ zu sagen und nach dem Rechten zu sehen! In ein paar Monaten sind wir wieder hier und setzen unsere Reise fort.

1:1-Mentoring von unterwegs
Die Eindrücke und Naturimpulse meiner Weltreise sowie die besondere Energie von Kraftorten fließen ganz natürlich in meine Arbeit ein. Aus dem Camper heraus begleite ich Unternehmer:innen und starke Persönlichkeiten im ortsunabhängigen 1:1-Mentoring (via Videotelefonie) dabei, innere Begrenzugen zu lösen und das eigene Potenzial für mehr Freiheit und Souveränität zu entfalten.
Um meine eigene Freiheit im Reisealltag zu wahren, ist dieser Raum für die exklusive Zusammenarbeit auf wenige Plätze limitiert.

